Sonntag, März 08, 2009

The Unborn - Kreativer Minimalismus


USA 2008

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David S. Goyer hat als Drehbuchautor an Genre-Glanzstücken wie Batman Begins, The Dark Knight und dem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Dark City mitgewirkt. Als Regisseur fällt seine Bilanz hingegen weitaus weniger überzeugend aus. Nach dem zumindest kommerziell halbwegs erfolgreichen Blade:Trinity drehte er mit The Invisible einen mehr als müden Supernatural-Thriller, der auch beim Publikum größtenteils durchfiel. Für sein neuestes Projekt, The Unborn, zeichnete sich Goyer wiederum als Autor und Regisseur verantwortlich.

Die Geschichte klingt recht vertraut. Die junge College-Studentin Casey (Odette Yustman) wird seit kurzem von merkwürdigen Visionen heimgesucht. Ein kleiner Junge mit seltsam entstelltem Gesicht lauert ihr immer öfter in ihren Träumen und Gedanken auf. Schon bald verfolgt er sie unablässig bei Tag und bei Nacht. Casey will der Ursache für diese Erscheinungen auf den Grund gehen. Dabei erfährt sie, dass sie einen Zwillings-Bruder hatte, der noch im Mutterleib starb. Nun sieht es so aus, als sei dessen rastlose Seele zurückgekehrt, fest entschlossen, das Leben seiner Schwester zu zerstören. Für Casey erscheint dadurch plötzlich der Selbstmord ihrer Mutter in einem ganz anderen Licht. Bei ihrer Suche nach Antworten kommt sie schließlich mit einem jüdischen Volksglauben in Kontakt, der das Unerklärliche zu erklären vermag.

Wer nach dem Lesen dieser Inhaltsangabe kein Déjà-vu bekommt, der kennt augenscheinlich keine asiatischen Gruselmärchen wie The Grudge, A Tale of Two Sisters oder Shutter. In der Tat macht vieles von dem, was uns Goyer in The Unborn auftischt, einen etwas verstaubten, zusammen geklauten Eindruck. Neben den zitierten Asiaten steckt natürlich auch eine gute Portion Der Exorzist in der weitgehend überraschungsfreien Story. Dazu passend endet die Geisterjagd - wie sollte es auch anders sein - in einer unter großem Geschrei und Tohuwabohu durchgeführten Dämonenaustreibung, bei der sich die schöne Odette Yustman genüsslich die Seele aus dem Leib schreien darf. An „Scream Queens“ wie Jamie Lee Curtis oder Jennifer Carpenter, die in Der Exorzismus der Emily Rose die Soundanlage bis an die Grenze der Belastbarkeit reizte, kommt sie allerdings nicht heran.

Goyer lässt zudem kein Klischee im Zusammenhang mit okkulten Mystery-Geschichten aus. Die Schockmomente laufen stets nach dem gleichen, auf Dauer reichlich monotonen Muster ab. Fortwährend taucht der tot geglaubte Satansbraten als Reflexion in einem Spiegel, als ekliges Insekt oder ganz realer Albtraum in Caseys Umgebung auf. Nirgendwo kann sie sich mehr sicher fühlen. Egal ob beim Jogging oder bei der Zubereitung des Frühstücks, „Jumby“ - so der Name des Dreikäsehochs - beobachtet sie auf Schritt und Tritt. Der seit Der Exorzist unzählige Male kopierte Krebsgang, bei dem sich die Arme, Beine und der Kopf der Opfer seltsam verdrehen, rundet das „Best of“ bekannter Gruselelemente standesgemäß ab.

Offenbar war Goyer sich der mangelnden Eigenständigkeit seiner Dämonenmär bewusst, weshalb er ein bisschen jüdische Folklore - gewissermaßen als exotisches Add-on - hinzufügte. Letztlich ist das Ganze aber auch nicht mehr als eine simple Umetikettierung. Aus dem Dämon wird sodann der Dibbuk, nach jüdischem Glauben die Seele eines Toten, die keine Ruhe findet und daher von den Lebenden Besitz ergreift. Ein in diesem Film chronisch unterforderter Gary Oldman übernimmt zusammen mit der vierfach Oscar-nominierten Jane Alexander den Part des personifizierten Wikipedias, der Casey und uns über die kulturellen wie religiösen Ursprünge des Dibbuk-Mythos in Kenntnis setzt. Irgendwie haben auch die Nazis wieder einmal ihre Finger im Spiel, was manch peinliche, weil keineswegs ehrlich gemeinte, melodramatische Wende nach sich zieht.

The Unborn gefällt sich dabei, lediglich altbekanntes Neu aufzuwärmen und in mitunter recht stilvollen Aufnahmen auszustellen. Der gerade bei Geister-Geschichten oftmals schmale Grat zwischen wohligem Grusel und unfreiwilliger Komik wird Goyer allerdings des Öfteren zum Verhängnis. Wenn Oldmans Rabbi beim finalen Exorzismus ein hornähnliches Musikinstrument namens Schofar herausholt, um dem Dibbuk den Marsch zu blasen, muss man schon sehr an die Existenz von Dämonen und Geister glauben, um nicht im nächsten Moment lauthals loszulachen. Zum cleveren Vermarktungskonzept gehört es, dem männlichen Publikum Odette Yustman in weißer Feinripp-Unterwäsche zu präsentieren (und das am besten gleich auf dem Filmplakat), während die Mädels mittels Twilight-Star Cam Gigandet ins Kino gelockt werden sollen. Allzu große Hoffnungen sollte man sich indes jedoch nicht machen. Wie es sich für einen in den USA mit „PG-13“ freigegebenen Film gehört, haben nackte Tatsachen und schmutziger Sex in The Unborn nichts verloren.

Erschienen bei BlairWitch.

3 Comments:

Blogger spidy said...

Ich fand den Trailer ja schon sowas von bescheiden, dass ich mir so ein Mist nie ansehen werde.

März 08, 2009 9:16 nachm.  
Anonymous CineKie said...

Ich fand den Trailer eigentlich recht anständig und atmosphärisch - und da ich ein Kerl bin, ist die Hauptdarstellerin für mich Grund genug, ins Kino zu gehen. ;-)

März 09, 2009 9:59 vorm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

@ cinekie

erwarte Dir aber in dieser hinsicht nicht zu viel ;-)

März 09, 2009 10:12 vorm.  

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