Samstag, Februar 21, 2009

Marley & Ich - Eine neue Art des Tier-Horrors


USA 2008

+1/2

In den USA längst ein Kassenerfolg, startet die Geschichte des eigenwilligen Labradors Marley nun auch in unseren Kinos. Die überaus konventionell geratene Verfilmung des autobiographischen Beststellers von John Grogan vertraut ganz dem Charme ihres tierischen Hauptdarstellers und der Zugkraft zweier populärer Hollywood-Stars. Owen Wilson und Jennifer Aniston mühen sich redlich, das Beste aus ihren jeweiligen Rollen herauszuholen. Als Marleys Herrchen und Frauchen kämpfen sie jedoch bisweilen auf verlorenem Posten.

Filmkritik:

Hunde gelten als die treusten Weggefährten des Menschen. Zumindest sagen das viele Besitzer über ihre Schützlinge. Wer den Vierbeinern bislang eher reserviert gegenüber stand, für den gibt es nun Marley & Ich, die Geschichte eines glücklich verheirateten Journalisten-Ehepaares (Owen Wilson, Jennifer Aniston) und ihres Labradors Marley. Dessen Charme werden selbst notorische Hundeskeptiker erliegen, schließlich besitzt Marley trotz all seiner Marotten das Zeug zu einem echten Herzensbrecher, wenn er mit seinen sanften, braunen Augen direkt in die Kamera blickt. Dass er uns zunächst als der „schlechteste Hund der Welt“ vorgestellt wird, ist natürlich pures Understatement. In Wirklichkeit funktioniert Marley in jeder Szene nämlich wie der Prototyp des liebenswerten Chaoten. Denn obwohl der temperamentvolle Labrador regelmäßig die Wohnungseinrichtung zerlegt und sein Herrchen auch sonst gerne schon mal zur Verzweiflung treibt, sind ihm die Sympathien des Publikums jederzeit gewiss.

Allerdings kann selbst Labrador Marley nicht darüber hinweg täuschen, dass der neue Film von David Frankel (Der Teufel trägt Prada) im Grunde nur eine sehr schematische Familienchronik ohne wirkliche Höhen und Tiefen erzählt. John (Wilson) und Jennifer (Aniston) sind jung und so frisch verliebt wie am ersten Tag ihrer Beziehung. Beide arbeiten nach ihrem Umzug von Michigan in den Rentner- und Sonnenschein-Staat Florida für eine örtliche Tageszeitung. Von seinem neuen resoluten Chef (Alan Arkin) erhält John den Auftrag, eine tägliche Kolumne zu verfassen. In dieser dreht sich schon bald alles um Marley, das jüngste Familienmitglied und Johns flauschig-tapsiges Geburtstagsgeschenk an seine Frau. Mit den tierischen Episoden trifft John den Nerv vieler Leser, die voller Begeisterung seine Kolumnen lesen.

Brav folgt Marley & Ich sodann den Gesetzmäßigkeiten eines typischen, entlang bekannter Hollywood-Regeln konzipierten Unterhaltungsprodukts. Die ausbalancierte Dramaturgie beinhaltet sowohl unbeschwerte Szenen eines nahezu perfekten Familienglücks als auch ernste Momente – letztere jedoch nur in Maßen, schließlich scheinen Frankel und seine beiden Drehbuchautoren Scott Frank und Don Roos den Feel-Good-Charakter der autobiographischen Vorlage keineswegs in Schwermut ertränken zu wollen. Lediglich zum Ende hin vollzieht Marley & Ich einen viel zu manipulativen Richtungswechsel, bei dem der Zuschauer seinen Gefühlen freien Lauf lassen und Marleys Schicksal betrauern soll. Allein das Kalkül, mit der dies alles geschieht, steht einem echten Mitempfinden im Wege. Die aufdringliche Instrumentalisierung eines Tieres, das bis dorthin vorrangig als possierliches, süßes Extra in einem ansonsten banalen Familienfilm eingesetzt wurde, erzeugt eher Unverständnis und Ratlosigkeit.

Für das im Komödienfach erfahrene Film-Paar Wilson und Aniston gibt es hier nicht mehr zu tun, als ihren jeweiligen recht glanzlosen Rollenvorgaben etwas Star-Appeal einzuimpfen. Aniston spielt einmal mehr das bodenständige „All American Girl“, wohingegen Wilson sein kumpelhaftes Sunnyboy-Image kultiviert. Aufregend ist das nicht. Aus Sicht des Studios dürfte die prominente Besetzung ihren Zweck aber dennoch erfüllt haben. Immerhin nahm der Film allein in den USA bis dato über 140 Mio. Dollar ein. Die schlichte Erfolgsformel "Stars + Tier(e) = Zuschauermagnet" behält auch weiterhin ihre Gültigkeit.

Für Programmkino.de.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

"Die aufdringliche Instrumentalisierung eines Tieres, das bis dorthin vorrangig als possierliches, süßes Extra in einem ansonsten banalen Familienfilm eingesetzt wurde, erzeugt eher Unverständnis und Ratlosigkeit."

>> Dafür dass 3/4 der Kinogänger bei diesem Film die ein oder andere Träne entschwinden ließen, scheint es doch nicht grad so Unverständnisvoll zu sein, dass ein Tier älter wird uns stirbt. Der Film ist von seiner Story her anders, es gibt in dem Sinne kein Happy End. Schade, dass man ein "Kritiker" vor lauter sizierarbeit vergessen hat, ein klein wenig von dem Feeling des Films mitzubekommen...

März 09, 2009 12:42 vorm.  

Kommentar veröffentlichen

<< Home