Dienstag, Mai 22, 2007

Pirates of the Carribean - Am Ende der Welt


USA 2007

+1/2

Captain Jack is back is back. Zum dritten Mal schickt Disney mit Pirates of the Carribean – Am Ende der Welt den wohl berühmtesten Piraten der Filmgeschichte in das Rennen um den Blockbuster des Jahres. Nach dem überwältigenden Erfolg von Teil 1 entschloss man sich dazu, gleich zwei Fortsetzungen im Doppelpack abzudrehen, die im Abstand von rund einem Jahr starten sollten. Leider zeigte das Disney-Franchise bereits in der zweiten Runde eindeutige Abnutzungserscheinungen, die sich neben der fehlenden Frische des Originals vor allem in Bezug auf die fantasielose Plot-Konstruktion und den Hang zur Überlänge bemerkbar machten. Regisseur Gore Verbinski dehnte den Kampf gegen den untoten Piraten Davy Jones zu einer zweieinhalbstündigen Geduldsprobe aus, bei der sich die eigentlich legitime Substanzlosigkeit des Ganzen mitunter selbst ad absurdum führte.

Denn eigentlich war und ist Fluch der Karibik nichts weiter als die perfekt choreographierte Johnny Depp-Show. Ohne ihn und seine schrullig-tollpatschige Verkörperung des Anti-Freibeuters mit dem besonderen Faible für Cayal und Dreadlocks hätten die Filme niemals diesen kommerziellen Erfolg. Über eine Milliarde Dollar spielte allein die letztjährige Fortsetzung ein. Mal ehrlich: Wie unterhaltsam ist es, Keira Knightley und Orlando Bloom beim gegenseitigen „sich Anschmachten“ zuzusehen? Das wusste auch Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer. Das Kalkül, mit Depp nicht nur einen großartigen Schauspieler sondern zugleich das filmische Äquivalent des Rock’n’Rolls aufzubieten – rebellisch, unangepasst, sexy – ging ohne jeden Zweifel auf.

Teil 3 beginnt damit, dass das Trio aus Will Turner (Orlando Bloom), seiner Geliebten Elizabeth Swann (Keira Knightley) und des von den Toten zurück gekehrten Captain Barbossa (Geoffrey Rush) die Suche nach dem über das Ende der Welt hinaus verbannten Jack Sparrow (Johnny Depp) aufnimmt. Dazu treffen sie in Singapur den mächtigen Piraten-Boss Sao Feng (Chow Yun-Fat). Von ihm erhoffen sie sich Unterstützung bei ihren Vorhaben, einerseits Jack zu finden und zugleich dem Treiben des gerissenen Lord Cutler Beckett (Tom Hollander) Einhalt zu gebieten. Dieser hat mit der East India Trading Company die Kontrolle über die Weltmeere und das Geisterschiff von Davy Jones (Bill Nighy) erlangt. Während er Jones unter seinem Kommando als willigen Handlanger arbeiten lässt, setzt er alles daran, unseren Helden auf die Spur zu kommen.

Nun liegen die Stärken der Reihe weniger auf dem Gebiet der Story als im Bereich der amüsanten Anekdoten und Zitate, die auch mit filmhistorischen und anderen popkulturellen Querverweisen arbeiten. Am Ende der Welt greift in ein recht nahe liegendes auf, das allerdings ungemein charmant. Da Captain Jack Sparrow problemlos den ersten Platz in jedem Keith Richards-Doppelgänger-Wettbewerb abräumen würde, erschien es nur konsequent, Jacks Vater von niemand anderem als Keith Richard himself spielen zu lassen. Ja, er ist es wirklich, der erste Eindruck täuschte nicht. In zwei Szenen darf der Rolling Stone-Bassist Jacks alten Herrn geben. Schon deswegen kann man Teil 3 nicht in Grund und Boden schreiben, auch wenn dieses Mal fast nichts mehr zusammen passt.

Das fängt mit der im Vergleich zu Teil 2 nochmals um rund 20 Minuten aufgeblähten Laufzeit an, steigert sich über die ungemein zähen, einschläfernden Wortduelle vor allem während der ersten Filmhälfte und endet bei den trotz üppigen Budgets recht bieder inszenierten Seeschlachten, ein fader Aufguss alter und damit abgenutzter Ideen. Selbst bewährte Running Gags wie Jacks pathologische Selbstüberschätzung oder die Späße seiner Crew verlieren aufgrund ihrer Redundanz merklich an Schwung. Vieles zieht sich zäh wie Kaugummi. Das gilt insbesondere für die noch in Teil 2 wunderbar überdrehten Action-Intermezzi. Das Duell auf dem Mühlrad bleibt unvergesslich, Jacks Flucht vor dem Eingeborenen-Stamm ein Slapstick-Highlight, das Auftauchen der Krake schlicht überwältigend.

Und in Teil 3? Die zahlreichen Kämpfe auf hoher See ähneln sich zu sehr, als dass sie länger in Erinnerung bleiben würden. Zudem laufen sie stets nach dem selben, auf Dauer ermüdenden Schema ab. Ein Umstand, den Verbinski mittels des monumentalen von Peter Jackson perfektionierten Aha-Effekts zu kaschieren versucht. In Am Ende der Welt reicht ein einfaches Duell Schiff gegen Schiff längst nicht mehr aus. Gleich eine ganze Armada muss als visueller Ballast herhalten. Statt Davy Jones’ bekannter und liebevoll animierter Bouillabaisse-Truppe besteht das Piratenlager nun zusätzlich aus einem halben Dutzend Freibeuterclans. Eine skurrile Folklore-Beilage. Gleichsam verschenkt wurde die Einleitung in Singapur und speziell Chow Yun-Fats Rolle. Diese winzige Prise Asia-Touch hat gegen den Modergeruch der übrigen Einfallslosigkeiten keine Chance.

Sogar Johnny Depp verkauft sich in Teil 3 unter Wert. Irgendwie symptomatisch. So funktioniert er Jacks schizophrenen Geisteszustand zu einer Art Kasperletheater um, in dem er albern grinst und noch grotesker durch die Gegend hüpft. Der schusselige, aber gleichzeitig eine gewisse Nonchalance und Würde ausstrahlende Captain Sparrow wird auf eine Witzfigur reduziert. Natürlich ist weiterhin manches zum Schreien komisch – Jacks Einstand als im Nirwana Gestrandeter beispielsweise (Fitzcarraldo?) – jedoch wiegt das die Langeweile des zerredeten, belanglosen und viel zu brav inszenierten übrigen Films nicht auf. Am Ende der Welt erleidet Schiffbruch mit großem Getöse.

2 Comments:

Blogger TheRudi said...

Fand ja bereits den Trailer nicht spektakulär und war vom zweiten Teil relativ enttäuscht. Deine Review lässt da auch "kein gutes Haar" dran, weswegen ich ernsthaft überlege, ob ich den Kinobesuch skippe, um dieser Pfeife Bruckheimer nicht noch mehr Geld in die Tasche zu jagen. Wobei, wenn der Film schlechter ist wie der zweite und der der dritterfolgreichste aller Zeiten war...wollen wir mal nicht das schlimmste hoffen!

Mai 22, 2007 9:14 nachm.  
Blogger TheRudi said...

Damn! 57 Millionen allein am ersten Tag, 140 weltweit, das sieht nicht gut aus, befürchte dass bei IMBd morgen ein Wochenendeinspiel von 120-140 Millionen verzeichnet wird...da stehen uns dann wohl noch mehrere Jack-Sparrow-Abenteuer bevor...

Mai 27, 2007 4:45 nachm.  

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