Samstag, Mai 12, 2007

Das perfekte Verbrechen - Ein Bruch, der nicht verheilt


USA 2007

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Es ist ruhig geworden um den Gerichts-Thriller klassischer Prägung. Regisseur Gregory Hoblit, dessen Film Zwielicht wahrlich zu den Highlights des Genres gezählt werden darf, probt die Revitalisierung. Altmeister Anthony Hopkins und Hollywoods Jungstar Ryan Gosling liefern sich in Das perfekte Verbrechen ein packendes Psycho-Duell, das sich jedoch zumeist außerhalb des eigentlichen Gerichtssaales abspielt. Die mitunter etwas zu betuliche Inszenierung im Stile bekannter amerikanischer TV-Serien fällt dabei kaum ins Gewicht.

Filmkritik:

Eigentlich ist der Fall klar. Der erfolgreiche Ingenieur Ted Crawford (Anthony Hopkins) wird von der Polizei in seiner Villa festgenommen. Er gesteht, soeben seine Frau (Embeth Davidtz) in den Kopf geschossen zu haben, die Waffe noch in den Händen haltend. Vermutlich nimmt deswegen auch Willy Beachum (Ryan Gosling) – der aufstrebende Assistent des Bezirksstaatsanwalts – die Ermittlungen und das Verfahren gegen Crawford nicht allzu ernst. Merklich schlecht vorbereitet trifft er in seiner Funktion als Ankläger auf den smarten Taktiker Crawford. Dieser überrascht mit dem Schachzug, sich selbst verteidigen zu wollen. Weil seine Frau noch lebt und in einer Art Wachkoma liegt, muss er sich wegen versuchten Mordes verantworten. Was Beachum zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Detective Rob Nunally (Billy Burke), der Crawford am Tatort verhaftete und dessen Geständnis aufnahm, war in eine heimliche Affäre mit dem Opfer verwickelt.

Zug um Zug, Puzzleteil für Puzzleteil, droht Beachum die Kontrolle über den Fall zu verlieren. Die anfangs noch so eindeutige Beweislage zerrinnt wie Sand in seinen Händen, bis er mit weniger als Nichts dasteht und die intellektuelle Überlegenheit seines Widersachers anerkennen muss – zumindest vorerst. Obwohl es an Crawfords Schuld für ihn keinerlei Zweifel geben kann, laviert sich der Angeklagte geschickt durch den gesamten Prozess.

Es ist vor allem Anthony Hopkins wieder einmal brillanter Darstellung zu verdanken, dass dem Zuschauer dieser Ted Crawford nicht als eindimensionaler, eiskalter Killer erscheint. Der Brite zelebriert wie schon in seiner wohl berühmtesten Rolle als Kannibale Hannibal Lecter die ihm eigene ironisch distanzierte Betrachtung menschlicher Abgründe. In dem über vierzig Jahre jüngeren Ryan Gosling erhielt er zudem einen würdigen Kombattanten. Gosling, der zuletzt mit der Oscar-Nominierung für seine Darstellung eines engagierten Lehrers in dem Sozial-Drama Half Nelson von sich Reden machte, besitzt das handwerkliche Rüstzeug, um neben einem der ganz Großen des Schauspielfachs zu bestehen. Aus den intensiven Wortgefechten und psychologischen Katz-und-Maus-Spielchen zwischen Crawford und Beachum zieht Gregory Hoblits Thriller folglich auch seine Spannung und Sogwirkung. Hier stehen sich zwei Männer gegenüber und können doch nicht anders – jeder in der ihm zugewiesenen Rolle. Das ähnelt einem auf Spielfilmlänge ausgedehnten Showdown, den nur einer für sich entscheiden kann. Hopkins und Gosling und der High Noon. Schon dafür lohnt der Kauf einer Kinokarte.

Trotz seiner Klassifizierung und Vermarktung als „Gerichts-Thriller“ bleibt die Handlung nicht auf diesen einen Schauplatz beschränkt. Im Gegenteil. Die meiste Zeit über folgt der Plot Beachum auf seinen Ermittlungen außerhalb des Gerichtsgebäudes. Zusammen mit der kraftvollen Exposition hebt sich Das perfekte Verbrechen damit wohltuend von vielen mediokren Courtroom-Produktionen mit ihren limitierten dramaturgischen Möglichkeiten ab. Ein vergleichbar frischer Ansatz hätte man sich auch in Bezug auf Hoblits Regie gewünscht. Wie schon in Zwielicht fällt diese reichlich unspektakulär aus. Statt das Kinoformat auszureizen, konzentriert sich der langjährig im TV-Seriengeschäft (NYPD Blue, L.A. Law) aktive Hoblit lieber ganz auf seine beiden Hauptdarsteller. Bei Namen wie Hopkins und Gosling, wer will es ihm verübeln?

Für Programmkino.de.

2 Comments:

Anonymous spidy said...

Kritik habe ich nicht gelesen, will ja völlig unvoreingenommen in diesen Film gehen, denn ich freue mich schon sehr auf diesen Film, vorallem wegen Ryan Gosling!

Mai 12, 2007 3:39 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

ja, fand auch gosling wieder einmal sehr gut und überzeugend. der plot ist natürlich nicht wirklich bahnbrechend, aber hoblit führt das alles recht passabel zusammen. ein old-school-thriller eben.

Mai 15, 2007 12:40 nachm.  

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