Samstag, Dezember 08, 2007

Der Klang des Herzens - Man merkt, Weihnachten steht vor der Tür


USA 2007

Ohne Wertung

Die Macht der Musik und kindlicher Imagination beschwört der neue Film von Kirsten Sheridan (Disco Pigs) über einen Waisenjungen, der sich auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern macht. Der kalten Jahreszeit setzt die Tochter des berühmten Filmemachers Jim Sheridan eine Überdosis Kitsch und sentimentales Pathos entgegen, womit sich Der Klang des Herzens als typischer Vertreter des weihnachtlichen Gefühlskinos outet.

Filmkritik:

Zu Weihnachten gehört der Weihnachtsfilm ebenso wie Tannenbau, Bescherung, Festessen und der obligatorische Familienkrach. Bei Der Klang des Herzens, auch wenn darin kein Santa Clause vorkommt und noch nicht einmal Schnee durchs Bild rieselt, handelt es sich eindeutig um einen Vertreter des Weihnachtsfilms. Zumindest lässt die Geschichte über ein junges Musikgenie, das sich nach Jahren der Demütigung und Ausgrenzung auf die Suche nach seinen Eltern begibt, an dieser Klassifizierung nie wirkliche Zweifel aufkommen.

Am Anfang steht eine kurze, aber leidenschaftliche Romanze oder – unromantisch ausgedrückt – ein One Night Stand. Auf einer Party lernt die Ausnahme-Cellistin Lyla (Keri Russell) den smarten Rockmusiker Louis (Jonathan Rhys-Meyers) kennen. Zusammen verbringen sie eine einzige Nacht hoch über den Dächern von New York. Kurze Zeit später bemerkt Lyla, dass sie schwanger ist. Doch noch bevor sie ihr Kind zur Welt bringen kann, wird sie in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt. Ihr Vater (William Sadler), der ehrgeizige Karrierepläne verfolgt, lässt sie in dem Glauben, sie habe eine Fehlgeburt erlitten. Und so wächst der kleine Evan (Freddie Highmore) in einem Waisenhaus auf, wo er von den anderen Kindern zumeist als Freak verspottet wird. Immer stärker reift in ihm der Wunsch heran, das Heim einfach hinter sich zu lassen und stattdessen seinem Herz zu folgen. Dieses verlangt vom ihn, seine Eltern zu finden und sich ganz seiner einzigen Leidenschaft, der Musik, hinzugeben.

Sobald Evan New York erreicht, entwickelt sich die Geschichte in Richtung eines mit Coming-of-Age-Elementen angereicherten Märchens. Die große Stadt erscheint als unübersichtlicher Wald, in dem ein hilfsbereiter Beamter der Jugendfürsorge (Terrence Howard) und ein undurchsichtiger Lebenskünstler (Robin Williams) um die Gunst unseres jungen Helden buhlen. Dieser versucht mittels Musik, die Risse in seiner kleinen Welt zu kitten. Was folgt, ist eine mit Zuckerguss und jede Menge Kitsch überzogene Familienzusammenführung, die in Gestalt eines überdimensionierten Happy Ends vor keiner Sentimentalität zurückschreckt. Irgendwem stehen fortlaufend vor Rührung Tränen in den Augen, während wahlweise süßliche Rock-Balladen oder Streicher als musikalisches Leitthema herhalten müssen.

Regisseurin Kirsten Sheridan – und das ist dann irgendwie wieder sehr sympathisch – unternimmt zu keiner Zeit den Versuch, die viel zu dick aufgetragene Gutmenschen-Botschaft ihres Films zu verstecken. Vielleicht weil sie weiß, dass solch ein Unterfangen angesichts soviel weinerlicher Rührseligkeit ohnehin scheitern müsste. Stattdessen hält sie auch auf die Gefahr hin, dass sich manch ein Zuschauer in Zynismus und Gleichgültigkeit flüchtet, bis in die letzten Einstellungen an einzelnen Motiven wie den leuchtenden Kinderaugen fest. Das kann eigentlich nur einen Grund haben: Der Klang des Herzens versteht sich als Weihnachtsfilm. Und als solcher entzieht er sich den üblichen Bewertungskriterien. Ein „zuviel“ an Gefühl kann es in diesem Genre jedenfalls nicht geben.

Für Programmkino.de.

4 Comments:

Anonymous Thoro said...

Faire Beurteilung, Marcus! Habe mir kürzlich den Wunderladen von Mr. Magorium angesehen und komme zu einem ähnlichen Schluss. es gibt so Filme, die gerade in dieser Jahreszeit einen bestimmten Zweck erfüllen sollen. Da kann man nicht mit den üblichen Maßstäben werten, muss sich vielmehr die rosarote Brille auf die Kinderaugen setzen. Der Trailer zu Klang des Herzens dagt zudem ja schon alles: gefühlsduselig, gutmenschlich usw. Wenn so ein Film entsprechend umgesetzt ist, kann man nicht mehr als "harmlos nett" sagen. Und das reicht ja auch ;-)

Dezember 08, 2007 5:11 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

genau, obwohl ich am liebsten aus dem kino gerannt wäre ;)

Dezember 08, 2007 6:01 nachm.  
Blogger Knurrunkulus said...

ich fand den ja übrigens toll. eine kritik ist auf meinem blog und auf kino.de zu finden und da wollte ich dann auf eine bewertung doch nicht verzichten. weiß aber noch wie ich aus dem kino kam und mir dachte: nee, du darfst den jetzt aber nicht gutfinden. nee, echt nicht. ich konnte nur nix dran ändern.

das deutsche filmplakat ist aber auch wirklich arg grausam und verrät bereits, wie sehr die geschichte um "august rush" ein weihnachtsfilm sein soll. da fand ich die werbekampagne hier in england weitaus erträglicher.

Dezember 11, 2007 2:30 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

@ knurru

ob das plakat den unterschied ausmacht, bezweifle ich doch stark. aber immerhin stimmt es den zuschauer auf das ein, was dann folgt. kitsch und melodrama um jeden preis!

werde mir mal Deinen text zu gemüte führen. denn so ganz kann ich nicht verstehen, wie man dem film tatsächlich außerhalb des "weihnachts-effekts" etwas abgewinnen kann.

Dezember 11, 2007 2:50 nachm.  

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