Montag, November 19, 2007

Mr. Brooks - Saubermann auf Abwegen


USA 2007

+1/2

Ist es schon eine Erwähnung wert, wenn Mister Saubermann Kevin Costner einmal nicht den Saubermann gibt? Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck auf, wenn man Kritiken und Texte über Mr. Brooks liest, Costners neuester Versuch, in die Erfolgsspur in Hollywood zurückzukehren. Der ansonsten in der Rolle des Weltenretters, Playboys, oder Frauenverstehers anzutreffende Costner darf sich hier als Mann mit zwei Gesichtern präsentieren. Eines davon zeigt ihn als den treusorgenden Familienvater und erfolgreichen Unternehmer Earl Brooks. Das andere, sein unterdrücktes Ich, steht für seine geheimen Sehnsüchte. Praktischerweise übernimmt mit William Hurt gleich ein anderer Schauspieler Earl Brooks’ Alter Ego. Mittels Wortgefechten zwischen Costner und Hurt veranschaulicht Regisseur Bruce A. Evans den inneren Zwiespalt seiner Hauptfigur, die zwar nicht schizophren ist, aber dennoch unter einer schweren psychischen Störung leidet.

Earl Brooks wird nach zwei Jahren, in denen er „clean“ war, wieder rückfällig. Er tötet ein junges Paar, kaltblütig und mit erschreckender Präzision. Auch wenn er sich hinterher für das, was er getan hat, schwere Vorwürfe macht, scheint ihm das Töten im ersten Moment Erleichterung und sogar einen Lustgewinn zu verschaffen. Allerdings bleibt seine Tat nicht unbeobachtet. Ein Fotograf (Dane Cook) wird Zeuge des Doppelmordes. Doch statt Brooks bei der Polizei anzuzeigen, wünscht er sich, ihn bei dessen Mord-Touren in Zukunft begleiten zu dürfen. Brooks hat keine Wahl. Er lässt sich auf den ungewöhnlichen Deal an.

Damit handelt sich unser Teilzeit-Mörder jedoch nur weitere Probleme ein. So ist ihm die Sonderermittlerin Tracy Atwood (Demi Moore) längst dicht auf den Fersen und auch Töchterchen Jane (Danielle Panabaker) verhält sich nicht so, wie man es von einem Teenager gemeinhin erwarten kann. Spätestens als ein weiterer Killer aus Atwoods Vergangenheit auf den Plan tritt, ist das Chaos perfekt. Von da an spinnt der Film seine anfangs geradlinige und deshalb angenehm klar strukturierte Handlung in abstruse Regionen weiter, die sich im Dickicht der einzelnen Erzählstränge recht schnell ineinander verheddern. Auch der Auflösung gelingt es nicht, diesen Knoten wieder zu lösen. Nebensächlichkeiten wie der Scheidungskrieg der taffen Polizistin wälzt Evans unnötig aus, andere Plotbestandteile – Tochter Brooks wandelt auf Daddys Spuren – werden wiederum allzu lieblos und überhastet abgearbeitet, so dass man sich letztlich fragt, warum sie nicht gleich ganz der Schere zum Opfer gefallen sind.

Für das Drehbuch zur Coming-of-Age-Geschichte Stand by Me von Stephen King erhielten Evans und sein Co-Autor Raynold Gideon seinerzeit viel Lob. In der Tat zählt Rob Reiners Adaption zu den besten King-Verfilmungen überhaupt. Doch auch alte Meriten können die Qualität dieses aufgeblasenen Nonsens nicht verbessern. Mr. Brooks versucht einfach zu viel zu erzählen, worüber er die eigentlich spannende Charakterstudie eines biederen Mörders mit zunehmender Laufzeit aus den Augen verliert. Die Überkonstruiertheit des Ganzen geht dabei nicht nur zu Lasten der Übersichtlichkeit, Evans Serienkiller-Puzzle krankt gleichsam an seiner verkrampften Ernsthaftigkeit. Viel zu selten gestattet sich der Film, den lächerlichen Plot mit einem subversiven Kommentar selbst auf die Schippe zu nehmen. Größtenteils beschränken sich die ironischen Einwürfe auf die Selbstgespräche, die Brooks mit seiner dunklen Seite (William Hurt) führt.

Während Kevin Costner genügend Zeit bekommt, die Rolle des Nadelstreifen-Psychopathen mit stoischer Miene und ebenso großer Gelassenheit auszufüllen, hinterlassen die übrigen Darsteller keinen bleibenden Eindruck. William Hurt markiert einmal mehr den Grimassenschneider vom Dienst – A History of Violence lässt grüßen –, wohingegen Demi Moore sich bereits damit zufrieden gibt, einfach da zu sein und weitgehend gelangweilt durchs Bild zu laufen. Offenkundig hat Hollywoods einstiges Sexsymbol an einem Comeback kein allzu großes Interesse. Immerhin können sich Fans der Krimiserie CSI Las Vegas auf ein Wiedersehen mit Marg Helgenberger freuen.

Zu wirr, zu unlogisch, zu konstruiert, zu ernst. Mr. Brooks mag eine interessante Prämisse besitzen, mehr aber auch nicht. Das mit einstigen A-Stars besetzte Filmchen ist nichts anderes als ein auf Hochglanz getrimmtes B-Movie, das von sich selber glaubt, es würde in der ersten Liga spielen.

Für BlairWitch.

5 Comments:

Anonymous thoro@mediensucht said...

Mmmh, ich fand ihn toll. Klar, man muss auf die Geschichte eingehen und über ein paar Konstruiertheiten hinwegsehen. Spannend, schön fies und unterhaltsam war der Film für mich dennoch. Hast Du die Synchro gesehen? Vielleicht lag's ja daran ... obwohl Dein Text etwas anderes sagt?! Naja, man kann ja nicht immer einer Meinung sein! ;-)

November 20, 2007 5:32 nachm.  
Anonymous Hirngabel said...

Warum steht unter der Kritik bei BlairWitch eigentlich nicht dein Name? Oder verfasst ihr da mit Nicks?

November 20, 2007 10:13 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

@ thoro

habe heute den neuen lindsay lohan-thriller gesehen. und gegen den, das muss ich zugeben , ist "mr. brooks" wahrlich ein meisterstück! ;)

@ hanni

doch, meine name steht doch drunter!

November 21, 2007 12:10 vorm.  
Blogger Vengeance said...

hm, also ich mochte den Film auch sehr. nicht nur wegen Costner und Moore, die ich beide sehr solide fand. Auch wegen der Prise Eigenironie, welche den Film notwendigerweise trägt. Im Gegensatz zu dir fand ich auch, das der Film es schafft sein hohes Erzählpensum einzuhalten. Da sind kleinere Brücken die das Drehbuch schlägt doch noch gerade so im grünen Bereich.

November 21, 2007 7:43 vorm.  
Anonymous hirngabel said...

Ah, ich sollte wohl mal genauer hinschauen. Jetzt seh ich auch, dass da zwei Kritiken sind. Sorry. =)

November 21, 2007 3:04 nachm.  

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