Montag, November 12, 2007

King of California - Der Schatzsucher


USA 2007

++1/2

Hollywood-Ikone Michael Douglas fügt als King of California seiner an Höhepunkten wahrlich nicht armen Karriere zumindest unter dem schauspielerischen Aspekt ein weiteres Meisterstück hinzu. Zwar reiht Mike Cahills tragikomische Vater-Tochter-Studie weitgehend bekannte Elemente des Feel Good-Kinos aneinander, dank Douglas’ Spielfreude fällt das Ergebnis aber dennoch recht kurzweilig aus. King of California ist seine One Man Show.

Filmkritik:

Bereits nach den ersten Minuten wird klar, dass in Mike Cahills Regiedebüt King of California die Norm keinen Platz hat. Denn normal wäre es, wenn ein Vater sich um seine Kinder kümmert, und er ihnen mit auf den Weg gäbe, was es heißt, Verantwortung im Leben zu übernehmen. Da das Normale nicht selten aber auch schrecklich langweilig ist und erst die Variation, sprich die Abweichung von der Norm, unser Interesse entfacht, ist Charlie (Michael Douglas) anders als die meisten Väter. Er hat die letzten Jahre in einer Psychiatrie verbracht, während sich seine noch minderjährige Tochter Miranda (Evan Rachel Wood) alleine durchs Leben schlagen musste. Jetzt, wo Charlie wieder zu Hause wohnt, gerät Mirandas geordneter Tagesablauf zunehmend aus den Fugen. So glaubt ihr Vater tatsächlich, einem alten Schatz aus dem 16. Jahrhundert auf die Spur gekommen zu sein. Dumm nur, dass dieser 2 Meter unter der örtlichen Costco-Filiale vergraben liegt.

Nach einem kurzen Appetithappen, der zeigt, wie Miranda, Charlie und dessen Kumpel Pepper (Willis Burks II) in den Supermarkt einbrechen, springt die Handlung fünf Monate in der Zeit zurück. Eher sich King of California dann im letzten Drittel zunehmend in eine charmante Heistfilm-Parodie verwandelt, darf das ungleiche Vater-Tochter-Gespann erst einmal seinen Rollentausch aufführen. Während sich Miranda um ihren Vater sorgt, ist dieser mit Feuereifer dabei, einem vermeintlichen Hirngespinst hinterher zu jagen. Jedenfalls scheint nichts und niemand ihm von seiner Schatzsuche abhalten zu können.

Evan Rachel Wood und vor allem Michael Douglas sorgen dafür, dass dieser Generationenwechsel letztlich funktioniert. Als eine Mischung aus Forrest Gump und Baron Münchhausen sind Douglas’ Filmcharakter die Sympathien des Publikums gewiss, wobei erst die schelmische Art, mit der Douglas Charlie spielt, die Rolle wirklich komplettiert. Dem mittlerweile 63jährigen Hollywood-Veteranen bereitet es sichtlich Freude, sein durch Filme wie Wall Street und Basic Instinct zementiertes Alphamännchen-Image Stück für Stück auseinander zu nehmen. Wie Rumpelstilzchen tollt Douglas durch den Film, der ihm endlich einmal die Möglichkeit zu gnadenlosem Overacting bot.

Gegen soviel schauspielerische Potenz kommt die junge Evan Rachel Wood nicht an. Muss sie auch nicht, nimmt sie doch mit ihren Off-Kommentaren eher den Part eines reflektierenden und im Gegensatz zu Charlie erwachsenden Beobachters ein. Durch ihre Augen erlebt der Zuschauer die Annäherung zwischen Vater und Tochter, die bis zuletzt glücklicherweise sämtliche melodramatische Klippen umschifft. Es bedarf insgesamt nur weniger Worte („Warum nennst Du mich nicht einmal Dad?“), um ein Gespür für die Ambivalenz ihrer Beziehung zu erhalten. Denn obwohl sich Miranda gerne über ihren allzu sorglosen Vater beschwert, fühlt sie, dass sie für ihn der wichtigste Mensch auf der Welt ist.

King of California, dem man vorwerfen mag, er sei in mancherlei Hinsicht einfach zu harmlos – das penetrante Product Placement erscheint eher als eine Anbiederung denn als eine Kritik an Corporate America und dessen Konformitätszwang –, ist ein typischer Vertreter des amerikanischen Feel Good-Kinos. Seine leise und deswegen bewegende Auflösung entlässt den Zuschauer mit einem wohligen Gefühl, das allerdings nur von begrenzter Dauer ist. Ohne einen Michael Douglas liefe Cahills Film vermutlich Gefahr, schon bald in Vergessenheit zu geraten.

Für Programmkino.de.

1 Comments:

Anonymous Kaiser_Soze said...

Klingt interessabt. Für einen Kinobesuch reicht es aber nicht. Gute Kritik.

November 14, 2007 1:13 vorm.  

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