Sonntag, November 04, 2007

Abbitte - Liebe in Zeiten des Krieges


GB/F 2007

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Für Abbitte schnappte sich Stolz und Vorurteil-Regisseur Joe Wright abermals Englands derzeit wohl gefragteste Aktrice Keira Knightley. Die schöne Britin, die mit Kick it Like Beckham ihren Durchbruch feierte und mit den Filmen der Fluch der Karibik-Reihe weltberühmt wurde, darf erneut in einer epischen Liebesgeschichte ihr Können unter Beweis stellen. Abbitte, der in diesem Jahr die Filmfestspiele von Venedig eröffnete, ist einer der gelungensten Vertreter des Gefühlskinos seit langem.

Filmkritik:

Abbitte ist die Verfilmung des gleichnamigen, mit Auszeichnungen überhäuften Romans von Ian McEwan und spielt im England der 1930er Jahre. Knightley schlüpft darin in die Rolle der in wohlbehüteten Verhältnissen aufgewachsenen Cecilia Tallis. Zusammen mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester Briony (Saoirse Ronan/Romola Garai), einer passionierten Schriftstellerin, lebt sie in einer prachtvollen Villa auf dem Land. Davon, dass in weiten Teilen Europas der Faschismus auf dem Vormarsch ist, bekommt sie nichts mit. Die Liebe und nicht Politik beschäftigt Cecilia.

So hegt sie heimliche Gefühle für Robbie (James McAvoy), den Sohn des Hausverwalters, mit dem sie schon bald eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Briony, die unfreiwillig Zeuge dieser erotischen Liaison wird, entwickelt eine Abneigung gegen Robbie, den sie als Bedrohung für sich und ihre Schwester wahrnimmt. Einer griechischen Tragödie nicht unähnlich führt eine Verkettung unglücklicher Umstände schließlich dazu, dass Robbie wegen einer angeblichen Vergewaltigung zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird. Vor allem Brionys Zeugenaussage belastet ihn schwer. Obwohl sie den Täter nicht richtig erkennen konnte, ist sie davon überzeugt, dass Robbie ihre Cousine vergewaltigte.

Abbitte – und das ist nichts Verwerfliches – liefert genau das, was man sich von ihm erwarten durfte: Schauspielerische Glanzleistungen und eine große, tragische Liebesgeschichte vor der Kulisse des Weltkriegsgeschehens. Mit seiner zeitlich verschachtelten Struktur, seinem Vor- und Zurückspringen in der Chronologie der Ereignisse, wartet auch die Erzählstruktur immer wieder mit interessanten Brüchen und Lücken auf, die entweder nachträglich gefüllt oder zu Gänze frei gelassen werden. Obwohl Keira Knightley als das Aushängeschild des Films vermarktet wird, ist es doch die Rolle ihrer Schwester Briony, um die McEwans Roman kreist. Wrights Entscheidung, Briony im Alter von 13 bzw. 18 Jahren von zwei unterschiedlichen Schauspielerinnen darstellen zu lassen, irritiert zunächst, ist aber mit dem Entwicklungssprung während der Pubertät logisch zu begründen. Als Zuschauer bekommen wir die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt, was von Wright geschickt über den Einsatz subjektiver Kameraeinstellungen und eines markanten Musikthemas mit Schreibmaschinenklängen betont wird.

Atmosphärisch und strukturell teilt sich der Film in zwei Segmente auf. Das erste spielt im heißen Sommer das Jahres 1935 auf dem luxuriösen Landsitz der Familie Tallis und umfasst die Ereignisse bis zu Robbies Festnahme. Über diesen schwebt das Gefühl einer diffusen, nicht näher greifbaren Bedrohung, was den Plot anfangs in die Nähe eines Psycho-Thrillers mit unverkennbar erotischen Untertönen rückt. Nachdem Robbie in den Krieg gezogen ist und Briony aus Schuldbewusstsein über ihre falschen Anschuldigungen als Krankenschwester arbeitet, fokussiert sich die Erzählung in erster Linie auf Brionys inneren Zweispalt und ihren Versuch, mit dem, was sie zu verantworten hat, zu Recht zu kommen. Beide Hälften funktionieren erstaunlich gut auch als jeweils eigenständiges Erzählfragment, wobei erst in deren Addition Abbitte seine ganze psychologische Raffinesse und emotionale Wucht entfaltet. Genau so fühlt sich großes Gefühlskino an.

Für Programmkino.de.

11 Comments:

Anonymous spidy said...

Und die Serie setzt sich fort! :-)

November 04, 2007 11:19 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

was hälst Du denn vom film?

November 04, 2007 11:27 nachm.  
Anonymous spidy said...

Erstens: Keira kann und wird wohl auch nie schauspielern können, Wright rückt seine Muse so gut wie es geht ins Rechte Licht und - wie du sagst im ersten Teil des Films - schafft er es auch sehr gut, aber danach funktioniert es nicht mehr wirklich.

Denn Anfang bis zur Verhaftung mag ich sehr und eigentlich habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht geglaubt, dass der Film noch kippen könnte und bei mir das negative staärke in mein Kopf ein gebrannt hat als das negative!
Nach der Verhaftung geht es einfach nur noch bergab, die lange Ausdehnung wie er im Krieg ist, hat der Geschichte nicht wirklich weitergeholfen, weniger wäre mehr gewesen, alle irgendwie im Mittelteil hatte ich das Gefühl, dass es zu ausführlich erzählt wurde, in der kürze liegt die Würze :-))))) - nicht immer aber hier finde ich schon. Das Ende hat mir dann wieder gefallen wo sie das Interview gibt und ihr letztes Buch vorstellt! James McAvoy ist grandios, die junge Briony ebenfalls und der Score hat mir auch gefallen! Aber mit dem Mittelteil kann ich mich einfach nicht anfreuden, war nichts für mich!

November 04, 2007 11:38 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

@ spidy

ok, das klingt dann jetzt doch insgesamt besser, als Dein erster kommentar es vermuten ließ.

November 05, 2007 2:42 nachm.  
Anonymous spidy said...

Mehr als Mittelmaß ist der Film nicht, in Prozenten wären es so ca. 40 - 50% und dass dank nur dem starken Anfang, McAvoy und der jungen Briony.

November 05, 2007 4:32 nachm.  
Anonymous Thoro@mediensucht said...

Ich fand den Film ganz großartig. Würde nie darauf kommen, die Aufteilung in zwei Hälften als Minuspunkt zu rechnen. Der Film ist einfach wunderbar gemacht. Gerade die Kameraarbeit ist der Hammer. Die ewig lange Szene ohne Schnitt im letzten Teil ist Dir, Marcus, sicher auch aufgefallen. Auf solche Sachen fahre ich total ab. Der Wright kann was! Schauspielerisch waren Knightley und McAvoy überraschen gut.

November 05, 2007 5:19 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

@ thoro

oh ja! die kameraarbeit war wirklich exzellent - auch abgesehen von dieser einer von Dir erwähnten szene (der aufwand, diese einstellung so zu drehen, dürfte immens gewesen sein).

von knightley war ich weniger beeindruckt wie von mcavoy, der mich schon in "last king of scotland" überzeugen konnte.

November 06, 2007 10:28 vorm.  
Blogger Mr. Vincent Vega said...

...und die Musik, die ist doch der Wahnsinn, die läuft bei mir schon seit Wochen in Dauerrotation!

November 06, 2007 3:12 nachm.  
Anonymous spidy said...

@Mr.Vega: Ja, da muss ich die Recht geben, der Score ist wirklich gut.

November 06, 2007 9:42 nachm.  
Blogger ICH BIN said...

den Film finde ich ganz großartig. Ich mag Keira und die Strukturen sind kompliziert. Abbite (Atonement) ist eine der Lieblisngs film die ich im jahr 2007 mag.

Darf ich ihr blog als link auf meinem blog zeigen? Ich komme aus Indonesien ...

Dezember 31, 2007 8:14 vorm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

@ ich bin

das mit der verlinkung kannst Du gerne machen! lebst Du derzeit in deutschland oder warum kannst Du deutsch?

Dezember 31, 2007 9:57 vorm.  

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