Freitag, Oktober 05, 2007

Operation: Kingdom - CSI Saudi Arabia


USA 2007

++1/2

Der Mittlere und Nahe Osten entwickelt sich für die Weltmacht USA immer mehr zu einem neuen Vietnam: Ein Schauplatz, an dem das eigene Versagen greifbar wird und an dem die hässliche Fratze des Terrors zunehmend die Oberhand gewinnt. Nicht nur im Irak und in Afghanistan, auch in Saudi-Arabien sind die radikalen Fundamentalisten auf dem Vormarsch. Bin Laden, selber ein Saudi, findet in dem absolutistisch regierten Königreich immer mehr Anhänger und Gefolgsleute, die bereit sind, mit allen Mitteln gegen den herrschenden Clan und die im Land auf heiligem Boden lebenden Ausländer zu kämpfen. Vor dem Hintergrund eines solchen Szenarios spielt sich die Dramaturgie des politisch brisanten Actionthrillers Operation: Kingdom ab, der von Altmeister Michael Mann (Heat, Miami Vice) co-produziert wurde.

Während mehrerer Terroranschläge in einer zumeist von Amerikanern bewohnten Anlage in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad sterben über 100 Menschen. Amerika steht unter Schock. Doch so gerne das FBI die Ermittlungen nach den Hintermännern in die Hand nehmen will, die Saudis wollen es zunächst nicht zulassen, dass es so aussieht, als ob sie selber die Lage nicht mehr unter Kontrolle hätten. Schließlich gelingt es dem FBI doch, ein Spezial-Team für wenige Tage an den Anschlagsort zu entsenden. Doch die Terrorexperten unter Leitung von Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx) dürfen keine eigenen Nachforschungen aufnehmen sondern lediglich beobachten, wobei ihnen sogar dabei ein Aufpasser der saudischen Polizei zur Seite gestellt wird. Erst als dieser sich mit Fleury und seinen Leuten anfreundet und sie mit wichtigen Informationen versorgt, kommen die Ermittlungen in Gang.

Wurden die Folterbilder von Abu Ghreib im Horrorgenre längst zur Genüge verarbeitet, so durchzieht auch immer mehr Blockbuster-Produktionen ein beißender Nihilismus, der die Sinnhaftigkeit des von Präsident George W. Bush propagierten Anti-Terror-Kampfes ohne Wenn und Aber verneint. Der 80 Mio. Dollar teure Operation: Kingdom nutzt die Mittel des Action- und Suspense-Kinos, um eine ähnliche Kritik auf die Leinwand zu bringen. Regisseur Peter Berg legt den Finger tief in die Wunde, an deren Schmerzen der Glauben an ein friedvolles Zusammenleben der Kulturen zu zerbrechen droht. Dabei überrascht neben allen ungeschönten Gewaltdarstellungen besonders die Radikalität der Schlusspointe. Diese mutet wie eine Generalabrechnung mit einer heuchlerischen Politik an, die auf beiden Seiten nur neuen Hass und Leid produziert.

Im Gegensatz zum thematisch in Teilen durchaus vergleichbaren Syriana halten die Macher von Operation: Kingdom allerdings nichts von vornehmer Zurückhaltung oder Subtilität. Wo Syriana-Autor Stephen Gaghan ein Mosaik aus scharfsinnigen Beobachtungen zu einem viel größeren Bild zusammensetzte, folgt Bergs Regiearbeit der Logik eines recht geradlinigen Actionreißers. Für eine differenzierte Charakterzeichnung ist da ebenso wenig Platz wie für eine wirklich schlüssige Weiterentwicklung der Handlung. Gerade zum Ende hin, wenn die Explosionen nahezu im Sekundentakt auf den Zuschauer einprasseln und das Blut gleich literweise fließt, tritt die Brisanz des Terror-Themas zugunsten plakativer Action in den Hintergrund. Immerhin ist diese handwerklich derart überzeugend inszeniert, dass zumindest Freunde der rustikaleren Gangart auf ihre Kosten kommen dürften.

Stilistisch präsentiert sich der Film wie zuletzt auch Die Bourne Verschwörung als energetisches, mit harten, schnellen Montagen und einer rastlosen Kamera ausgestattetes Kraftpaket. Dass das Bild hierbei ständig in Bewegung ist und nicht einmal für wenige Sekunden eine Person oder eine Szenerie fixiert, erzeugt ein Gefühl der permanenten Verunsicherung. Das Hier und Jetzt erscheint in Hollywoods neuer Actionwelt stets noch einen Tick düsterer, aussichtsloser und bedrohlicher als die ohnehin schon deprimierende Realität. Wenn es also stimmt, dass das Kino immer auch den jeweils herrschenden Zeitgeist abbildet, dann sagt Operation: Kingdom viel darüber aus, wie sich der Westen im Diskurs der Kulturen derzeit fühlt: Ohnmächtig und Schwach.

Erschienen im Smart Investor.

3 Comments:

Anonymous Anonym said...

2,5 Sterne: was heisst das in Worten? Ich hätte mit den Film sogar mal angeguckt. Was sacht der feine Herr?

Oktober 06, 2007 2:27 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

der film ist recht ordentlich inszeniert. nur entwickeln sich die letzten 20 minuten zu einer einzigen ballerei, was doch reichlich übertrieben ist. dann wird deutlich, dass sich der film eher den koventionen des action-genres als seinem thema(terrorismus)verpflichtet fühlt.

Oktober 06, 2007 2:39 nachm.  
Anonymous Anonym said...

ja gut, das an sich ist ja nicht unbedingt zu kritisieren.

Oktober 06, 2007 6:53 nachm.  

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