Sonntag, November 25, 2007

Hunting Party - Satire mit Handbremse


USA 2007

++1/2

Fünf Jahre nach dem Ende des bosnischen Bürgerkriegs schickt Filmemacher Richard Shepard (Mord und Margaritas) drei Journalisten auf einen Abenteuertrip durch nicht nur im übertragenen Sinn vermintes Gebiet. Richard Gere, Terrence Howard und Newcomer Jesse Eisenberg bilden das ungewöhnliche Trio, das zusammen mehr als nur eine brenzlige Situation zu meistern hat. So gerne man ihnen als Zuschauer dabei auch zusieht, frei von Stolpersteinen ist Shepards Film wahrlich nicht.

Filmkritik:

Die alte Weisheit, dass jeder Krieg eine schmutzige Angelegenheit ist, wird TV-Reporter Simon Hunt (Richard Gere) umgehend bejahen. Als Kriegsberichterstatter reist er von einem Krisenherd zum nächsten, immer auf der Suche nach spektakulären Bildern und den aktuellsten Meldungen von der Front. Egal ob Bosnien, Ruanda, El Salvador oder der Irak, Hunt und sein Kameramann Duck (Terrence Howard) waren überall vor Ort, um das grausame Sterben zu dokumentieren. Doch irgendwann rastet Hunt aus – in einer Live-Sendung, was ihn prompt seinen Job kostet. Es vergehen mehrere Jahre, in denen er sich mit schlecht bezahlten Aufträgen notdürftig über Wasser hält. Als Duck eines Tages für eine Reportage nach Sarajevo zurückkehrt, trifft er dort auf Hunt, der ihm einen mehr als abenteuerlichen Vorschlag unterbreitet: Zusammen mit ihm soll Duck den meistgesuchten bosnischen Kriegsverbrecher – genannt der „Fuchs“ – ausfindig machen. Es wäre die Story ihres Lebens.

Das Duo der beiden erfahrenen, mit allen Wassern gewaschenen Reporter wird zum Trio, als Ducks Begleiter Benjamin (Jesse Eisenberg), ein journalistisches Greenhorn, von Hunt ebenfalls für dessen waghalsige Aktion eingespannt wird. In der Folge treffen die Männer und mit ihnen der Zuschauer auf unwissende Blauhelme, zwielichtige Milizen, geldgierige Schmuggler und auffallend schweigsame Dorfbewohner. Richard Shepard, der mit seiner letzten Regiearbeit Mord und Margaritas bei Kritik wie Publikum gleichermaßen Anklang fand, inszeniert die Fahndung nach dem vom Den Haager Kriegsverbrechertribunal gesuchten Serbenführer als eine zwischen dramatischen und schwarzhumorigen Momenten ausbalancierte Schnitzeljagd. Nach der stakkatoartigen Exposition, die Hunts beruflichen Werdegang als Abfolge der immer gleichen Kriegseinsätze portraitiert, und einigen beißenden Off-Kommentaren zum Thema Katastrophenjournalismus startet von Sarajewo aus der Trip in die bosnische Provinz.

Shepard verfasste das Drehbuch nach Studium eines Esquire-Artikels von Scott Anderson (Titel: „What I Did on my Summer Vacation“). Wie die drei Protagonisten im Film begab sich auch Anderson mit Kollegen auf eine nicht immer ungefährliche Reise durch das Nachkriegs-Bosnien. Sie hefteten sich dabei an die Fersen des früheren Präsidenten der Republika Srpska, Radovan Karadzic, der seit Kriegsende mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Seine Person diente Shepard als Vorlage für den „Fuchs“, auf den es Hunt – Nomen est Omen – abgesehen hat.

Charakteristisch für Shepards Film, der mehr Züge einer Medien- denn einer Polit-Satire trägt, ist das Spiel mit verschiedenen Genres und Tonlagen. Nach einigen eher harmlosen Späßen zwischen Hunt und Duck konfrontiert Shepard den Zuschauer mit drastischen Kriegsbildern, die sehr plastisch den Horror der damaligen Ereignisse rekonstruieren. Am Beispiel einer hochschwangeren Frau, deren Bauch mit Einschusswunden übersäht ist, zeigt Hunting Party, welches Leid die Zivilbevölkerung zu erdulden hatte. So verständlich Shepards Ansatz ist, dann, wenn es hässlich und schmerzhaft wird, nicht einfach abzublenden, wollen sich die einzelnen Teile nicht immer zu einem stimmigen Ganzen zusammenfinden. Die dramatischen Einschübe wie Diane Krugers kurzer Gastauftritt wirken zuweilen gewollt und reichlich ostentativ, gleichzeitig mangelt es den sarkastischen Kommentaren an Biss und Schärfe. Sowohl Thank You for Smoking als auch Lord of War gingen im vergangenen Jahr mit ihren jeweiligen Sujets (Lobbyismus, Waffenhandel) weitaus härter ins Gericht.

Immerhin vereint Hunting Party ein hochkarätiges Schauspielensemble. Richard Gere, Terrence Howard und Newcomer Jesse Eisenberg bilden ein ungewöhnliches Team, das sich in bester Buddy Movie-Tradition gegenseitig zu Höchstleistungen antreibt. Wie schon in Mord und Margaritas beweist Shepard erneut ein glückliches Händchen bei der Wahl seiner Darsteller. Richard Gere als desillusionierter Kriegsberichterstatter zu besetzen, zeugt von mindestens soviel Mut wie Ex-007 Pierce Brosnan die Rolle des Auftragskillers zu überlassen. Beide revanchierten sich mit einer Leistung, die mehr als der restliche Film zu beeindrucken wusste.

Für Programmkino.de.

1 Comments:

Blogger TheRudi said...

(...) wollen sich die einzelnen Teile nicht immer zu einem stimmigen Ganzen zusammenfinden.

Ist mir auch aufgefallen. Der Film ist zu ernst um komisch zu sein und zu komisch um ernst zu sein, hinkt in dieser Hinsicht hinter LORD OF WAR her.

November 26, 2007 7:59 nachm.  

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