Donnerstag, Juni 12, 2008

The Happning - Ahorn an Gänseblümchen


USA 2008

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Der Meister des sorgsam eingefädelten Plot-Twists ist zurück. Nach seiner von der Kritik zerrissenen und vom Publikum verschmähten Erwachsenen-Fabel Das Mädchen aus dem Wasser kehrt M. Night Shyamalan zu seinen kreativen Wurzeln zurück. The Happening besitzt vieles von dem, was den Erfolg seiner Suspense-Thriller The Sixth Sense und Signs begründete: Eine bedrohliche Atmosphäre, sorgsam dosierte Thrills und eine unzweifelhafte, wenngleich nicht wirklich überraschende Auflösung. Soweit das Positive, denn in seiner Gesamtschau lassen sich zugleich eine Reihe von eklatanten Schwächen identifizieren.

Shyamalan drehte schon immer Filme, die zu gleichen Teilen auf Spannung wie Gefühl setzten. Er verbindet in seiner Arbeit Elemente des klassischen Thrillers, des Horrors und des Dramas zu einer großen Zaubershow, die beim Zuschauer allerdings stets die Bereitschaft voraussetzte, sich auch tatsächlich verzaubern lassen zu wollen. Shyamalan ist darüber hinaus auch ein Romantiker. Spätestens seit seinem fälschlicherweise auf den finalen Plot-Twist reduzierten The Village dürften hieran keine Zweifel bestehen. Sein Neuer bestätigt diese Erkenntnis, wobei das Geschehen und speziell manche Dialoge zuweilen hart an der Grenze zum Kitsch vorbeischrammen.

Mark Wahlberg tritt dabei die Nachfolge von Bruce Willis und Mel Gibson an. Offenbar hat Shyamalan einen Narren daran gefressen, harten Kerlen einen radikalen Image-Wechsel zu verpassen. In The Happening spielt das ehemalige Unterwäsche-Model einen engagierten Biologie-Lehrer, der immer zu Späßen aufgelegt ist und seinen Schülern die Grundzüge wissenschaftlichen Arbeitens wie ein Mantra eintrichtert. Doch an Unterricht ist schon bald nicht mehr zu denken. Als die ersten Berichte über mysteriöse Massen-Selbstmorde aus dem Nordosten der USA eintreffen, glauben die Medien noch an einen Terror-Anschlag. Hals über Kopf beschließen Elliot (Wahlberg) und seine Freundin Alma (Zooey Deschanel), die Stadt zu verlassen. Zusammen mit Elliots Kollegen Julian (John Leguizamo) und dessen kleiner Tochter Jess (Ashlyn Sanchez) machen sie sich auf dem Weg. Doch sehr weit kommen sie nicht. Mitten im Nirgendwo holen die Ereignisse die Gruppe ein.

Mitunter wirkt The Happening wie ein „Best Of“ älterer Shyamalan-Geschichten. Gerade in der Wahl der Sets erinnert der Film in der zweiten Hälfte stark an Signs. Verlassene Farmen, weite Felder, ländliche Stille, alles das findet sich auch hier wieder. Dabei versteht es Shyamalan erneut, die jeweiligen Gegebenheiten effektiv in die sehr straighte Story einzubauen. Die Schocks sitzen, weil sie unerwartet daherkommen. Auch hart gesottene Horror-Fans werden mehr als einmal einen echten Adrenalinkick verspüren. Nichts und niemand scheint vor der unsichtbaren Gefahr sicher. Diese Erkenntnis transportiert der Film mit einer für eine große Studio-Produktion doch erstaunlichen Kompromisslosigkeit.

Selbst die an drei Stellen merklich gekürzte deutsche Kinofassung – Grundsatzdiskussionen über das Pro und Contra solcher Bevormundung sollen hier nicht geführt werden – ist für Shyamalan-Verhältnisse recht explizit und blutig geraten. In dieser Hinsicht schlägt der Meister des sanften Gruselns erkennbar eine härtere Gangart an. Wenn schon die unheilvolle Bedrohung visuell nichts hergibt, gleicht der Film dieses Manko über die Inszenierung ihrer weit reichenden und zumeist tödlichen Folgen aus. Obwohl Shyamalan uns Zuschauer somit die erwarteten Thrills liefert, will sich uneingeschränkte Begeisterung dieses Mal jedoch nicht einstellen.

Das offenkundigste Problem trägt den Namen Mark Wahlberg. Die Rolle des Schnellmerkers und naturverbundenen Biologie-Lehrers nimmt man ihn zu keiner Zeit ab. Ausdruckslos und überfordert chargiert Wahlberg zwischen unfreiwillig komischem Overacting und „Besorgt aus der Wäsche gucken“. Sein Mienenspiel ähnelt dabei dem Steven Seagals, sprich es existiert nicht. Dass die zentrale Identifikationsfigur zur Lachnummer verkommt, ist aber nicht alleine Wahlbergs Schuld. Shyamalan, der wie zu all seinen Filmen das Drehbuch schrieb, spart in vielen Dialogen nicht mit trivialer Melodramatik und peinlichem Untergangs-Pathos. Fremdschämen ist angesagt, wenn in einer Szene eine verzweifelte Mutter mit ihrer Tochter telefoniert und Shyamalan den Holzhammer rausholt, um auf der Klaviatur von Mitgefühl und Drama zu spielen.

Abseits aller verunglückten Gefühlsduseleien krankt der Film an seiner gerade während der letzten fünf Minuten dozierten „Zurück zur Natur“-Botschaft, bei der Shyamalan vor allem dem Zeitgeist hinterherzulaufen scheint. Sein gerade in den ruhigen Passagen wenig überzeugender Mix aus Krieg der Welten und Die Wolke endet zudem nicht mit dem erhofften Big Bang. Stattdessen entscheidet sich Shyamalan für eine im Horror-Genre bis zum Erbrechen durchexerzierte Pointe, die auch die letzten Zweifel über die Ursache des mysteriösen Massensuizids beiseite wischt. Der Mensch ist eine Bedrohung für diesen Planeten. Mehr als das hat The Happening eigentlich nicht zu erzählen.

Für BlairWitch.de.

6 Comments:

Blogger TheRudi said...

Sein Mienenspiel ähnelt dabei dem Steven Seagals, sprich es existiert nicht.

ROFL. Das der Mann für den Oscar nominiert wurde, ist für mich die größte Frechheit in der Geschichte der Academy.

Juni 12, 2008 8:06 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

stimmt, das hatte ich schon verdrängt...

PS: allerdings ist er in diesen macho-rollen m.E. nicht fehlbesetzt

Juni 12, 2008 9:21 nachm.  
Blogger Mr. Vincent Vega said...

Du bist imho noch viel zu zahm zu dieser dreisten Unverschämtheit, diesem Nichts von einem Film.

Shyamalan fand ich schon immer völlig over-rated, aber jetzt sollte wohl jeder mitbekommen haben, was das für ein Pfuscher ist.

Juni 12, 2008 11:06 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

ich glaub zwar auch nicht mehr an das wunderkind shyamalan, aber "the villag" hat mich seinerzeit umgehauen - auch bei wiederholtem ansehen, weil er doch viel mehr zu erzählen hat, als die etwas verquere pointe. gleiches gilt für "unbreakable". "the sixth sense" fand ich dagegen doch überschätzt, weil er nach kenntnis des plot-twists in sich zusammensackt.

Juni 13, 2008 8:12 vorm.  
OpenID mediensucht said...

Marcus, meine Güte bist Du gnädig. Die "erwarteten Thrills" waren tatsächlich so vorhersagbar, dass sie keine Thrills mehr waren. Der Film wurde noch gekürzt? Naja, das passt irgendwie zu dem Desaster! In DEPARTED und SHOOTER fand ich Wahlberg übrigens gar nicht so schlecht. Zustimmung natürlich zu THE VILLAGE.

Juni 13, 2008 10:48 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

altersmilde ;)

Juni 14, 2008 11:55 vorm.  

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