Samstag, Juni 07, 2008

Prom Night - Der Anti-Slasher


USA 2008

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Als Europäer mag es schon etwas befremdlich wirken, welches Bohei die Amis um ein Event wie den Abschlussball veranstalten. Die Prom Night markiert das Ende der High School-Zeit und den Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt. Während die Mädels darum bemüht sind, an jenem Abend möglichst gut auszusehen – schließlich steht der Titel der Prom Queen auf dem Spiel –, wollen die Jungs mit dem hübschesten Mädchen der Stufe auf dem Ball erscheinen.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an den Horrorfilm Prom Night, in dem es die junge Jamie Lee Curtis auf ihrem Abschlussball mit einem maskierten Schlitzer zu tun bekam. Knapp dreißig Jahre später greift Regisseur Nelson McCormick auf ein vergleichbares Setup zurück, wobei sich sein Prom Night nicht als Remake qualifiziert, da allein schon die Charaktere andere sind. Aus der eher trostlosen und muffigen Turnhallen-Absteige, die im ersten Prom Night-Film zum Festsaal umfunktioniert wurde, wird bei McCormick ein edles Grand Hotel mit imposanter Fassade, futuristischer Tanzfläche und aufwändiger Video-Installation. Keine Frage, hier feiern die Kids aus O.C. California und Beverly Hills 90210.

Eine von ihnen ist Donna (Brittany Snow). Die heiße Anwärterin auf den Titel der Prom Queen geht zusammen mit ihrem Freund Bobby (Scott Porter) auf den opulenten Ball. Es soll ein unvergesslicher Abend werden. Dumm nur, dass ausgerechnet jetzt die Vergangenheit Donna einzuholen droht. Einst kamen ihr Bruder und ihre Eltern bei einem tragischen Verbrechen ums Leben. Ein irrer Verehrer (Jonathon Schaech) metzelte aus verschmähter Liebe Donnas gesamte Familie nieder. Rechtzeitig zur Prom Night gelingt dem Killer die Flucht aus der Psychiatrie. Die Aussicht, seinem Love Interest möglichst bald möglichst nahe zu sein, löst eine unheimliche Mordserie aus, bei der die Polizei stets das Nachsehen hat.

Gemäß dem in unzähligen Slasher-Storys erprobten „Zehn kleine Negerlein“-Prinzip verabschiedet sich in Prom Night brav ein Teenager nach dem nächsten. Weil der Film im Unterschied zu den meisten seiner Genre-Kollegen aus den Achtzigern vorrangig auf ein junges, pubertierendes Publikum abzielt, muss der Killer bei seiner Arbeit penibel auf die Einhaltung bestimmter Jugendschutzvorschriften achten. Es wirkt schon reichlich seltsam, wenn nach einer mehr als schüchtern gefilmten Messerattacke lediglich einige wenige, scheinbar abgezählte Flecken Blut auf dem Kleid des Opfers zu sehen sind. Aber eigentlich hätte man schon bei einem Blick auf die PG-13-Freigabe der amerikanischen Filmbewertungsstelle vorgewarnt sein müssen. Prom Night ist die leicht verschärfte Variante eines im Grunde harmlosen Suspense-Kinos, das mit einem echten Slasher bis auf den formalen Rahmen nichts gemein hat.

So unschuldig, klinisch rein und sterbenslangweilig wie Prom Night waren bis dato Gott sei Dank nur die wenigsten Teenie-Horror-Produktionen. Cheesy ist hier gar nichts. McCormick und sein Drehbuchautor J.S. Carbone vollbringen das seltene Kunststück, die beiden einzigen Konstanten des Slashers – Sex und Gewalt – fast gänzlich aus ihrem Film zu verbannen. Vor der Heirat darf höchstens ein bisschen gefummelt werden. Damit hat es sich dann aber auch schon. Die augenscheinlich nach den Schönheitsidealen populärer MTV-Shows zusammengecastete Darstellerriege übt sich ansonsten in einer geradezu päpstlichen Keuschheit. Überhaupt fällt auf, dass jede nur erdenkliche Ecke fein säuberlich abgeschliffen wurde. Dass die Abschlussklasse nur aus Modeltypen zu bestehen scheint, kann man nur als ein weiteres Indiz für die Stromlinienförmigkeit dieser erschreckend ideenlosen Produktion werten.

Wenn ein Konzept wie das des irren Jungfrauenschlitzers bereits derart ausgelutscht ist, sollte zumindest die Verpackung stimmen und der Regisseur sein Handwerk verstehen, damit keine Langweile aufkommt. Beides ist bei Prom Night, für dessen Fortsetzung Sony unglücklicherweise längst grünes Licht erteilt hat, nicht gegeben. McCormick stolpert nach dem akzeptablen Intro, das mit einer schicken Kamerafahrt über den Columbia River aufwartet, von einer Peinlichkeit zur nächsten. Die Inszenierung der einzelnen Morde erweist sich dabei als ausgesprochen monoton. Wenn der Killer nicht gerade plötzlich hinter einer Säule oder in einem der zahlreichen Spiegel auftaucht, beobachtet er seine potenziellen Opfer, wie diese ahnungslos in die Falle tapsen. Dass man als Zuschauer zumeist den Ausgang einer Szene bei ihrem Beginn erahnt, ist der Spannung nur wenig zuträglich. Da kann die Tonspur auch noch so verzweifelt aufheulen, für einen echten Horror-Fan ist Prom Night nicht mehr als eine unfreiwillig komische Kaffeefahrt.

Für BlairWitch.de.

6 Comments:

Anonymous grammaton cleric said...

Als Europäer mag es schon etwas befremdlich wirken, welches Bohei die Amis um ein Event wie den Abschlussball veranstalten.

Also ich bin der Meinung, dass solch ein Ball, ich spreche jetzt mal vom dt. Pendant, dem Abiball, nie schön und prestigeträchtig genug sein kann. Man ist das letzte (!) Mal zusammen, endlich frei vom Schulleben, und auch die Lehrer, mit denen man die ein oder andere gute Beziehung führte, sieht man zum finalen Male.

Ich habe schon viele Bälle besucht, und natürlich war keiner so gut wie unser eigener (Abi '05!), aber im Prinzip ist es für jede Stufe ein Highlight. Man wird sich wohl sein Leben lang darn erinnern - von eventuellen Beziehungen zu SchulkameradInnen ganz zu schweigen...

Aber zum Film: Dein Review reiht sich ja nahtlos in den Kanon ein, auch wenn ich immer noch etwas versucht bin, den anzuschauen... ;-)

Juni 07, 2008 3:53 nachm.  
Blogger TheRudi said...

Man wird sich wohl sein Leben lang darn erinnern

Lauthals loslach.

Juni 08, 2008 2:03 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

ich sag nur Abi 99 - nach uns die Nullen ;)

Juni 08, 2008 4:16 nachm.  
Anonymous grammaton cleric said...

Lauthals loslach.

Wieso denn das? Nur weil Deiner nicht so toll war? :p Unsere Stufe hat sogar alles auf DVD und diese verteilt.

ich sag nur Abi 99 - nach uns die Nullen ;)

Altes Abi - pff,... ;-)

Juni 08, 2008 4:37 nachm.  
Blogger TheRudi said...

Unsere Stufe hat sogar alles auf DVD und diese verteilt.

*Filmzitat ein* Ui, toll. *Filmzitat aus*

P.S.: Unsere auch :P

Juni 08, 2008 11:28 nachm.  
Blogger Mr. Vincent Vega said...

ROFL

Juni 09, 2008 4:50 nachm.  

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