Donnerstag, August 07, 2008

Leg Dich nicht mit Zohan an - Die Rückkehr des Vokuhila


USA 2008

+++1/2

Er ist die mit Abstand geschmackloseste Schnittmenge aus Borat Sagdiyev, George Michael und Jason Bourne: Der Zohan (Adam Sandler), Israels Top-Anti-Terror-Kämpfer verpasste bislang jedem Börsewicht eine gehörige Abreibung. Er ist der Mann für alle Fälle, der von seinen Landsleuten wie ein Pop-Star gefeiert wird. Und dennoch sehnt er sich nach einem ganz anderen Leben. Um es auf den Punkt zu bringen: Zohan will umschulen. Hairstylist ist sein wahrer Traumberuf. Wie ein gewisser Paul Mitchell möchte er die Welt mit seinen Frisurkompositionen erobern. Um diese Sehnsucht endlich nachgehen zu können, beschließt er seinen eigenen Tod vorzutäuschen und in New York – wo sonst? – ein neues Leben mitsamt neuer Identität zu beginnen.

So aberwitzig und skurril sich bereits die Ausgangslage der neuen Adam-Sandler-Komödie anhört, der fertige Film übertrifft diese Absurdität nochmals um Längen. Leg Dich nicht mit Zohan an ist ohne jeden Zweifel Sandlers bislang komischste und überdrehteste Komödie. Nach den kommerziell zwar wenig erfolgreichen, bei der Kritik aber umso gefeierten Ausflügen ins dramatische Fach (Punch Drunk Love, Die Liebe in mir) und überaus kurzweiligem Nonsens (Chuck & Larry) scheint Sandler mittlerweile eine gewisse Narrenfreiheit zu besitzen. Sein Zohan ist ein streng durchkomponierter Gag auf zwei Beinen, ein wandelnder Anachronismus mit schaurig-schrecklicher Frisur und garantiert geschmacklosem Styling (oder wie sollte man anders das Tragen von Mariah- Carey-T-Shirts umschreiben?).

Zohans zumindest in der Originalfassung brüllend komischer Akzent stellt selbst Borats gebrochenes Englisch mit Phrasen wie „I make you look silky smooth!“ in den Schatten. Die nicht nur unterschwellig anzutreffenden homoerotischen Einflüsse bei Figur und Story – waschen, schneiden, legen als Lebenstraum – lassen Leg Dich nicht mit Zohan an zuweilen wie die Verfilmung eines Village-People-Stimmungshits erscheinen. Alles ist entweder einen Tick zu bunt oder zu schwul (oder beides). Wenn Zohan Mariah-Carey-T-Shirts zu engen Jeans-Shorts trägt, dann ist das für jeden heterosexuellen Zuschauer eine echte Herausforderung.

Man mag das Ganze nach Borat nicht unbedingt originell finden, in dieser Konsequenz ist die zweite Zusammenarbeit von Sandler und Regisseur Dennis Dugan (nach Chuck & Larry) aber ein echter Glücksfall für das oftmals biedere amerikanische Unterhaltungskino. Unterstützung erfährt Sandler von einem blendend aufgelegten Ensemble. John Turturro darf als Hisbollah-Kämpfer „Das Phantom“ ebenso wie Rob Schneider Overacting bis zum Anschlag zelebrieren. Letzterer verkörpert einen palästinensischen Taxi-Fahrer, der wie Zohan in New York seinen lange gehegten Traum leben will. Dieser – soviel sei verraten – unterscheidet sich nur unwesentlich von Zohans Paul-Mitchell-Fantasie.

Wenn ein Film und noch dazu eine Komödie den Konflikt zwischen Israelis und Palästinenser thematisiert, ist Fingerspitzengefühl erforderlich. Leg Dich nicht mit Zohan an stellt in dieser Hinsicht viele pointierte Beobachtungen an, die erfrischend unverkrampft das Sich-im-Kreis-drehen und das Prinzip von Vergeltung und Rache als Weg in eine Sackgasse entlarven. Allein für die Idee einer Selbstmordattentäter-Hotline, bei der sich die Terroristen in spe zunächst durch ein sprachbasiertes Menüführungssystem kämpfen müssen, möchte man Sandler und seinen beiden Co-Autoren Judd Apatow (Mr. Comedy himself) und Robert Smigel spontan applaudieren.

Bedenkt man, wie viele moralinsaure Filme bereits über den Nahostkonflikt gedreht wurden, erscheint das Ergebnis dieser cineastischen Disco-Kugel umso bemerkenswerter. Auch wenn Leg Dich nicht mit Zohan an im letzten Drittel etwas an Schwung verliert und sich der Zohan’sche Dadaismus in eine allgemein verständliche Multikulti-Botschaft wandelt, schmälert das nicht den über weite Strecken immens hohen Unterhaltungswert dieser Produktion. Leg Dich nicht mit Zohan an ist das Komödien-Highlight dieses Sommers. Selbst notorische Adam-Sandler-Hasser werden dem zustimmen.

INFO: Zum Filmstart wird es in der nächsten Woche eine Verlosung von Zohan-Goodies auf meiner Seite geben! Es lohnt sich also dann wieder vorbeizuschauen!

8 Comments:

Blogger TheRudi said...

Leg Dich nicht mit Zohan an ist ohne jeden Zweifel Sandlers bislang komischste (...) Komödie.
(...) in dieser Konsequenz ist die zweite Zusammenarbeit von Sandler und Regisseur Dennis Dugan.

Nimm es mir nicht übel, aber damit outest du dich als Nicht-Sandler-Kenner. Zum einen ist es der 4. Film von Dugan und Sandler und zum anderen gibt es da weitaus komischere in seinem Sujet, die zu Beginn seiner Karriere zu finden sind. Außer du sprichst mit "komischste" eine subjektive Empfindung an.

Ansonsten Zustimmung zum Review.

August 08, 2008 12:04 vorm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

der rudi hat mich enttarnt ;)

nein, die ersten beiden dugan-sandler-kooperationen sind mir in der tat unbekannt (bzw. ich hab sie nicht gesehen).

kenne von sandler billy madison, the wedding singer, little nicky, mr. deeds, PDL, die wutprobe, 50 erste dates, spanglish, spiel ohne regeln, die liebe in mir und chuck & larry.

welchen film mit ihm würdest mir den noch ans herz legen wollen?

August 08, 2008 12:14 vorm.  
Blogger TheRudi said...

Naja, BILLY MADISON ist im Grunde schon die hohe Schule des Adam S. - aber mein persönlicher Liebling ist HAPPY GILMORE, der auch die erste Zusammenarbeit mit Dugan markiert. Auch deren zweite gemeinsame Arbeit, BIG DADDY, ist durchaus unterhaltsam.

Ein Klassiker für sich ist auch AIRHEADS, der jedoch weniger auf Sandler zugschnitten ist, allerdings dennoch Spaß macht. Jeder pickt sich da seinen eigenen Favoriten aus, aber ich würde zumindest anzweifeln, dass die Mehrheit der Kritiker und Zuschauer ZOHAN als seinen lustigsten Film bezeichnet. Nichts für Ungut ;)

August 08, 2008 12:30 vorm.  
Blogger Mr. Vincent Vega said...

Leg Dich nicht mit Zohan an ist das Komödien-Highlight dieses Sommers. Selbst notorische Adam-Sandler-Hasser werden dem zustimmen.

Nope, fand den total nervig. ;)

Auch wenn CHUCK AND LARRY noch einen Zaken unerträglicher war. Aber ich lache dennoch lieber über Borat.

August 11, 2008 5:58 nachm.  
Anonymous Enk said...

Also, das Highlight des Jahres ist Zohan sicher nicht gewesen, aber in der Tat, selbst für mich als Adam Sandler Hasser war Zohan erstaunlich lustig. Dabei wollte ich nach seiner unterirdischen Reign over Me Performance eigentlich nie wieder einen Sandler-Film sehen.

August 13, 2008 5:09 nachm.  
Blogger TheRudi said...

Dabei wollte ich nach seiner unterirdischen Reign over Me Performance eigentlich nie wieder einen Sandler-Film sehen.

Oha :-o

August 15, 2008 4:48 nachm.  
Blogger a.montana said...

Mich konnte das letzte Drittel nicht so versöhnlich stimmen wie dich. Der Anspuch stieg, Slapstick wich. Ich habe das leider als langweilig empfunden weil einfach die erste Hälfte sooo genial zum ablachen war. Die übermenschlichen Fähigkeiten hätten ruhig auf dem gleichen Niveau bleiben können wie es am Anfang der Fall war.

September 29, 2008 5:37 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

"anspruch" würde ich das nicht nennen, aber zumindest so etwas wie eine good-feel-message. aber das ist vielleicht gar nicht so entscheidend. dass der film zum ende hinbaut, ist sicherlich unstrittig. dennoch für mich bislang der comedyhit des jahres.

September 30, 2008 11:19 vorm.  

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