Montag, Juli 21, 2008

Akte X - Jenseits der Wahrheit


USA 2008

+1/2

Das wohl berühmteste Ermittlerduo des FBI ist zurück. Dana Scully (Gillian Anderson) und Fox Mulder (David Duchovny) begeben sich sechs Jahre nach dem Ende der neunten Staffel und zehn Jahre nach dem ersten Kinofilm wieder auf die Spur einer mysteriösen Verbrechensserie. Anfang der Neunziger Jahre löste die Serie einen regelrechten Mystery-Hype aus, der zahlreiche Klone und Ableger in Film und Fernsehen inspirierte. So wäre die moderne Popkultur ohne die Vorarbeit des von Chris Carter erdachten und insgesamt 202 Mal aufgeführten Genre-Mixes aus SciFi-, Mystery-, und Horrorelementen zweifellos um ein Phänomen ärmer. Scully und Mulder, die unnahbare, kühle Analytikerin und der von Verschwörungstheorien geradezu besessene Heißsporn, zählen ebenso wie iPod, MySpace und Die Simpsons zum Lifestyle-Inventar unserer Zeit.

Als die Handlung in Akte X – Jenseits der Wahrheit einsetzt, sind analog zum Ende der Serie sechs Jahre vergangen. Scully arbeitet als Ärztin in einem christlichen Krankenhaus, während Mulder im stillen Kämmerlein seinen Verschwörungstheorien um Außerirdische, die Regierung und dem Verschwinden seiner Schwester Samantha nachhängt. Die Arbeit im Dienst der Bundespolizei scheint der Vergangenheit anzuhören. Erst als zwei Beamte spurlos verschwinden und in der verschneiten Berglandschaft West Virginia menschliche Körperteile entdeckt werden, sollen Mulder und Scully aus dem Altenteil zurückgeholt werden.

Die mit dem Fall beauftragen FBI-Agents Drummy (US-Rapper Xzibit) und Whitney (Amanda Peet) vertrauen aber nicht nur der Erfahrung der beiden ehemaligen Vorzeigeermittler, auch ein katholischer Priester (Billy Connolly), der Visionen der verschleppten Frauen empfängt, erweist sich als Schlüssel zur Lösung des Falls. Dass er sich wegen zahlreicher sexueller Übergriffe auf minderjährige Jungen verantworten musste, nährt vor allem Scullys Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Aussagen. Doch um das Leben der Entführten zu retten, müssen die Beamten jedem Hinweis Beachtung schenken – sei er auch noch so abwegig.

Mehr sei an dieser Stelle über den Fortgang des Falls nicht verraten. Schließlich soll das Entschlüsseln der zuvor wie ein Staatsgeheimnis gehüteten Geschichte jedem Zuschauer selbst überlassen blieben. Wobei viel zu entschlüsseln gibt es eigentlich nicht. Und das ist vielleicht das größte, offensichtlichste Manko am zweiten Kinoabenteuer von Mulder und Scully. Akte X-Erfinder und Co-Autor Chris Carter legt die Karten sehr zeitig auf den Tisch. Wer dann noch hofft, der Fall würde vielleicht zum Ende hin eine trickreiche Wendung nehmen oder mit einer Umkehrung der Perspektive überraschen, der sieht sich getäuscht. So gesehen wirkt der Film zuweilen wie das amerikanische Remake des wiederum von Mystery-Serien wie Akte X beeinflussten Jean Reno-Schockers Die purpurnen Flüsse.

Ganz so düster und blutig ist das, was Carter hier auftischt, aber nicht geraten. Von einzelnen Schockmomenten einmal abgesehen, regiert eher der dezente, wohlige Schauer. Im direkten Vergleich zu manchen Vertretern des modernen Terrorkinos wie Saw oder Haute Tension versprüht Jenseits der Wahrheit (im Original: I Want to Believe) den Nervenkitzel fast schon mit angezogener Handbremse und in homöopathischen Dosen. Als Genre-Zwitter zwischen Thriller, Mystery und Horror hat der Film ohnehin ein Problem, wenn er sich in seiner Ansprache nicht nur an die eingefleischten Fans der Serie richtet. Denn im Grunde erzählt Carter eine aus allzu bekannten Motiven und Schauplätzen gestrickte Story, für die man sich paradoxerweise immer dann interessiert, wenn sie von den beiden starken Hauptcharakteren beseite gedrängt wird.

So ist es vor allem Gillian Anderson und David Duchovny zu verdanken, dass der Film letztlich nicht sang- und klanglos untergeht. Die Interaktion zwischen Mulder und Scully, ihre sehr spezielle Beziehung, die von einer altmodischen Keuschheit lebt und die dabei scheinbar unüberwindbare Gegensätze verbindet, bildet gewissermaßen das emotionale Fundament für einen ansonsten viel zu glatt inszenierten Mystery-Thriller. Akte X-Fans werden beruhigt zur Kenntnis nehmen, dass sich Mulder und Scully in all den Jahren nicht wirklich verändert haben. Noch immer zeigt er sich empfänglich für das scheinbar Unerklärbare (daher auch der Original-Titel I Want To Believe), wohingegen sie in ihrem Job vornehmlich dem Glauben an die Wissenschaft verpflichtet ist. Mulder und Scully, das sind zwei starke Egos, die sich fortlaufend anziehen und wieder abstoßen.

Auf der Zielgeraden wird aus dem Duo ein Trio, wenn FBI-Direktor Walter Skinner (Mitch Pileggi) zur Freude aller Akte X-Veteranen für ein kurzes Gastspiel reaktiviert wird. Für Nostalgie bleibt aber nur wenig Zeit. Denn bei aller Wiedersehensfreude fordert der berechenbare und lahme Plot seinen Tribut.

Für BlairWitch.de.

1 Comments:

Blogger ingosandra said...

Die Atmosphäre im Film war das Einzigste was mir Nahe ging. Ähnlich wie bei "Insomnia", ohne dabei die Filme vergleichen zu wollen, wurde ich von einem sanftem Grusel umschmeichelt. Das war es aber auch schon, denn zum Höhepunkt in der Dramaturgie kommt es leider nicht und die beiden Hauptprotagonisten haben mir noch nie gefallen, stocksteif und dämlich. Nach 20 Tausend Folgen glaubt Scully immer noch nicht an das Übersinnliche, wer´s glaubt!!!

a.montana

September 30, 2008 9:34 vorm.  

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