Sonntag, Juni 15, 2008

Bank Job - Very British


UK 2008

+++1/2

Das Heist-Motiv hat eine lange filmische Tradition. Von Rififi über Ocean’s 11 bis hin zu 90er Jahre-Blüten wie Roger Avarys Killing Zoe, immer wieder kreisten Filme um den einen großen Coup. In Bank Job, der den Ablauf, die Hintergründe und das schmerzhafte Nachspiel eines legendären Londoner Bankraubs aus dem Jahr 1971 erzählt, verwebt Regisseur Roger Donaldson die einzelnen Fäden zu einem überaus spannenden Polit-Thriller. Dabei schlägt die Story einen gewaltigen Bogen vom kleinkriminellen Milieu des Londoner East End bis in die Welt des organisierten Verbrechens. Sogar höchste Regierungskreise und das Königshaus scheinen in den Fall verwickelt.

Filmkritik:

Alles beginnt mit einem verlockenden Angebot, das der Gebrauchtwagenhändler Terry (Jason Staham) von Martine (Safran Burrows), einer Freundin aus Jungendtagen, erhält. Er soll in den Tresorraum einer Londoner Bank einsteigen und den Inhalt der Schließfächer mitgehen lassen. Da das Alarmsystem kurzzeitig abgeschaltet wurde, droht von dieser Seite kein Ungemach. Die Aussicht auf Juwelen, Gold und mehrere Millionen lässt Terrys anfängliche Skepsis bald schwinden. Zusammen mit seinen Kumpels Kevin (Stephen Campbell Moore) und Dave (Daniel Mays) beginnt er, den Plan in die Tat umzusetzen. Dieser sieht vor, einen Tunnel in den Tresorraum zu graben und die Beute unterirdisch über die angrenzende Tiefgarage abzutransportieren. Was Terry allerdings nicht weiß: In einem der Schließfächer lagern kompromittierende Fotos eines Mitglieds der Königsfamilie, mit denen ein stadtbekannter Drogenbaron und Zuhälter (Peter De Jersey) die Behörden erpresst und sich so seiner eigenen Verhaftung entzieht.

Dass die Geschichte den Rahmen eines typischen Heist-Plots sprengt, wird schnell klar. Agenten in grauen Anzügen, korrupte Polizisten, zwielichtige Unterweltgrößen, Minister mit geheimen Vorlieben, den beiden Drehbuchautoren Dick Clement und Ian Le Frenais gelang es, eine Vielzahl von Handlungssträngen und Personen in ihr Skript einzubauen, ohne dass sich der Film in Details verliert und der Zuschauer womöglich aus Frust über so viele Informationen gedanklich aussteigt. Bis heute ist im Übrigen nicht ganz geklärt, was damals genau geschah, wer die Hintermänner und Drahtzieher waren und wieso in der Presse bereits vier Tage nach dem Einbruch kein Wort darüber mehr zu lesen war.

Roger Donaldson, der in seinen Arbeiten zu No Way Out und Thirteen Days bereits reichlich Erfahrung mit politisch brisanten Thrillern sammeln konnte, erweist sich einmal mehr als intelligenter und versierter Geschichtenerzähler. Er inszeniert Bank Job in der Tradition großer Heist-Movies, wobei er zu jeder Zeit erkennbar um eine eigene Handschrift bemüht ist. Gerade der Wechsel zwischen Terrys Perspektive, dem Milieu der einfachen Malocher und Kleinkriminellen, und der Welt der Londoner High Society, die hinter einer schicken Fassade ihre dreckigen Geheimnisse unter Verschluss hält, macht den Reiz dieses Films aus. Donaldson ist zudem ein Meister der Suspense. Den Wettlauf zwischen der Polizei und Terrys Bande, die bei ihrem Vorhaben zufällig von einem Amateurfunker belauscht wird, inszeniert er als ein aus zwei Perspektiven aufgenommenes Katz-und-Maus-Spiel. Immer wieder überrascht uns der Plot mit neuen Wendungen und Enthüllungen.

Bank Job ist aber auch in anderer Hinsicht ein Film spannender Gegensätze. Während die gedeckte, erdige Farbpalette und die Ausstattung ein authentisches 70s-Feeling evoziert, kamen bei der Aufnahme nur die neuesten High-Definition-Digitalkameras zum Einsatz. Die Schärfe und Klarheit der Bilder verleiht diesem ansonsten eher nostalgischen London-Trip eine bemerkenswerte Frische und Modernität. Der Mix aus Altem und Neuen setzt sich zu einem Stil zusammen, der Bank Job von seinen Genre-Kollegen deutlich abgrenzt.

Gegen Ende, als der eigentliche Bank Job getan ist und das große gegeneinander Ausspielen beginnt, zieht das ohnehin straffe Erzähltempo nochmals an. Dann kann auch Jason Statham, dessen Leinwandkarriere mit den Ganoven-Stücken eines Guy Ritchie begann, endlich seine imposante Physis voll ausspielen. In einem Film, der über weite Strecken mit brachialer Action geizt und stattdessen der Sogkraft seiner größtenteils wahren Geschichte vertraut, sind die Sympathien klar verteilt. Terry und die Seinen mögen keine Heiligen sein, dass sie bei ihrem Coup allerdings auf Gewalt verzichten und von einflussreichen Kreisen selbst als Mittel zum Zweck „missbraucht“ werden, lässt uns mit ihnen bis zuletzt Hoffen und Bangen.

Smart, mitunter ironisch, temporeich, spannend. An Bank Job werden sich zukünftige Heist-Storys messen lassen müssen.

Für Programmkino.de.

3 Comments:

Blogger TheRudi said...

An Bank Job werden sich zukünftige Heist-Storys messen lassen müssen.

Oha.

Juni 16, 2008 12:09 vorm.  
OpenID mediensucht said...

Auch ein erstauntes UI! von mir. Den werde ich mir wohl ansehen müssen ...

Juni 17, 2008 10:58 nachm.  
OpenID mediensucht said...

So, war ich tatsächlich auch drinnen. Der Film war gut, aber nicht der große Knaller und schon gar keine Referenz für Heist-Movies. Dafür fehlte nämlich eine entscheidende Kleinigkeit: Collness! Dennoch ein spannender und unterhaltsamer Film.

Juni 26, 2008 11:37 vorm.  

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