Samstag, März 28, 2009

Religulous - Ohgottohgott


USA 2008

++1/2

US-Comedian und Talk-Show-Moderator Bill Maher hat die Religion als Wurzel allen Übels identifiziert. Zumindest glaubt er das, wie sein in Religulous dokumentierter „Kreuzzug“ belegt. In zahlreichen Gesprächen führt Maher religiösen Würdenträgern, Gläubigen und Experten auf den Zahn. Immer unter dem Vorwand, nur Fragen zu stellen, verstricken sich seine Gesprächspartner nicht selten in abstruse Widersprüche. Das macht aus der im Michael-Moore-Stil gehaltenen Dokumentation eine bisweilen recht unterhaltsame Satire, bei der Polemik groß und Information klein geschrieben wird.

Filmkritik:


In den USA zählt Bill Maher zu den profiliertesten Talkshow-Moderatoren und Kabarettisten. Einem großen Publikum wurde er durch die inzwischen eingestellte Late-Night-Show „Politically Incorrect“ bekannt, aber auch als Stand-up-Comedian, Schriftsteller und Kommentator betätigte sich Maher in den vergangenen Jahren. Heute moderiert der Sohn einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters die wöchentliche Talk-Show Real Time. Maher nimmt nur selten ein Blatt vor den Mund. Seine oftmals beißende Satire richtet sich sowohl gegen staatliche Institutionen als auch gegen Doppelmoral, Heuchlerei und religiösen Fanatismus. Überhaupt greift der bekennende Agnostiker nur zu gerne das Thema Religion auf – so auch in seiner aktuellen Kino-Dokumentation Religulous.

Darin begibt sich Maher auf eine globale Exkursion, die ihn ausgehend von seiner Heimat USA zu einigen der wichtigsten Orte der großen monotheistischen Weltreligionen führt. Er besucht den Vatikan, wo die Türen für ihn allerdings verschlossen bleiben, den Tempelberg in Jerusalem und die antike Stätte Megiddo, wo laut der Offenbarung des Johannes die endzeitliche Schlacht zwischen Gut und Böse stattfinden wird. Weitere Abstecher führen ihn nach Utah, der Hochburg des Mormonentums, Amsterdam und in den Freizeitpark „Holy Land“ bei Orlando. Überall verwickelt er seine Gesprächspartner, darunter viele geistliche Würdenträger und Gläubige, in teils kontroverse, teils entlarvende Diskussionen über die Bedeutung des Glaubens, Widersprüche zwischen Religion und Wissenschaft sowie religiöse Moralvorstellungen. Maher gibt sich dabei nicht mit einfachen Erklärungen zufrieden. Er hakt nach, widerspricht und kommentiert.

Unter der kreativen Leitung von Borat-Regisseur Larry Charles zielt Mahers entgegen aller Beteuerungen ganz und gar subjektiver „Kreuzzug“ vor allem auf Pointen. Die Interviews werden immer wieder von kurzen Einspielern oder Videoclips unterbrochen, die Mahers Gegenüber wahlweise als bigotten Frömmler oder reaktionären Fanatiker zu entlarven versuchen. Auf recht ähnliche Weise funktionieren die Filme eines Michael Moore. Wie dieser zeigt sich auch Maher nur selten offen für andere Meinungen, was schade ist, schließlich überraschen doch manche seiner Gesprächspartner wie der Leiter des Vatikan-Observatoriums Pater George Coyne oder der Vatikan-Vertreter Reginald Foster mit ihren aufgeklärten Ansichten. So spricht sich Foster entschieden gegen die von manchen Evangelikalen propagierte wörtliche Auslegung der Bibel mitsamt ihrer Evolutions-feindlichen Kreationismus-Lehre aus.

Für eine wirklich kritische wie informative Auseinandersetzung mit den sensiblen Themen Religion und Glauben eignet sich Religulous aufgrund seiner Polemik nur sehr eingeschränkt. Der Film ist durch und durch Satire und fühlt sich als solche vornehmlich der Unterhaltung verpflichtet. Auf diesem Gebiet funktioniert er dann auch über weite Strecken recht ordentlich. Die Impressionen aus dem Freizeitpark „Holy Land“, wo mehrmals täglich das Leben Jesu als Musical Auferstehung feiert, sind an bizarrem Christen-Kitsch kaum zu überbieten. Zu den weiteren Höhepunkten zählt Mahers Unterhaltung mit einem „geläuterten“, ehemals schwulen Pfarrer, der fortan andere Homosexuelle mit Hilfe der Bibel auf den vermeintlich einzig rechten Pfad zurückführt (Leitmotto: „Homosexuality can change!“).

Zum Ende hin schlägt der Film zunehmend ernste Töne an. Die Menschheit, das ist Mahers feste Überzeugung, muss sich von Religion und Irrglauben emanzipieren. Ansonsten drohe die Welt in Chaos zu versinken. Religion sei gefährlich, weil sie uns Nonsens als unumstößliche Wahrheiten verkaufe und den Menschen nicht zur kritischen Reflexion erziehe. Wenn Maher diese Schlussworte spricht, scheint er sich seiner Sache sehr sicher zu sein. So sicher wie jene, die sich auf das Wort Gottes berufen.

Erschienen bei Programmkino.de.

2 Comments:

Anonymous Filmhass said...

"hat die Religion als Zielscheibe allen Übels identifiziert"

Sollte das nicht "Ursprung allen Übels" heißen. "Zielscheibe" würde ja bedeuten, dass die Religion vom Übel angegriffen wird.

März 28, 2009 6:21 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

da hast Du recht. ist korrigiert ;)

März 29, 2009 9:19 nachm.  

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