Dienstag, Mai 19, 2009

Kurzkritik - Ricky


F 2009

++1/2

„Eine ganz gewöhnliche Frau und ein ganz gewöhnlicher Mann verlieben sich ineinander“. Mit diesem lapidaren Satz beginnt die Inhaltsangabe zu Ricky, François Ozons (5x2, Swimming Pool) sehr eigener Interpretation eines Familienfilms. Denn aus der Liebe zwischen Katie (Alexandra Lamy) und Paco (PANS LABYRINTH-Star Sergi Lopez) erwächst ein Baby, das anders als alle anderen Babys ist. Wenige Monate nach seiner Geburt wachsen Ricky plötzlich zwei Flügelchen. Ja, richtig gelesen! Zwei Flügelchen! Spätestens ab diesem Zeitpunkt wird klar, dass Ozon kein realistisches Drama einer im Arbeitermilieu angesiedelten Patchwork-Familie vorschwebte. Obwohl der Tonfall über weite Strecken betont unaufgeregt, fast schon nüchtern erscheint und Ozon damit auf den ersten Blick alle Attribute eines fantastischen Films unterläuft, lässt sich Ricky eigentlich nur als Märchen klassifizieren. Als eines, das realistische mit fantastischen Elementen vermischt und sich so schlussendlich als liebevoller Genre-Zwitter präsentiert.

Die Idee zu Ricky ist einer Kurzgeschichte der britischen Autorin Rose Tremain entnommen. Dabei tauschte Ozon die White-Trash-Wohnwagensiedlung der Vorlage allerdings gegen eine anonyme, französische Trabanten-Vorstadt aus. Doch so trist die Szenerie zunächst erscheint, Ozon spürt auch in diesem Umfeld immer wieder sehr warme, herzliche Momente auf. Wenn bei Dunkelheit die Lichter der betongrauen Hochhäuser in den nahe gelegenen See projiziert werden, löst sich der Film bereits etwas von seiner Verankerung im Hier und Jetzt. Überhaupt zeigt sich Ricky offen für eine ganze Reihe von Interpretationen und Deutungen. Man mag in ihm ein fantasievolles Plädoyer für Andersartigkeit und Vielfalt sehen oder auch nur eine ungewöhnliche Familienstudie, die beschreibt, wie sehr ein solch kleines Wesen die Welt aller Beteiligten auf den Kopf stellt. Auf der Berlinale war Ricky indes nur „der Film mit dem fliegenden Baby“. Auch das ist, so trivial es klingt, zweifellos richtig.

2 Comments:

Blogger spidy said...

Das Problem an Ricky ist, man kann alles oder auch nichts in diesem Film sehen.

Mai 19, 2009 9:26 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

absolut und ich kann manch bittere enttäuschung, die über den film geäußert wurde, absolut nachvollziehen, auch wenn ich ihn besser sehe.

Mai 20, 2009 2:48 nachm.  

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