Samstag, Mai 16, 2009

My Bloody Valentine 3D - Gebrochene Herzen


USA 2008

++ (2D-Fassung)

+++ (3D-Fassung)

Anfang der achtziger Jahre gelang dem Slasher nicht nur der endgültige kommerzielle Durchbruch – raus aus der Schmuddelecke, rein in den Kino-Mainstream –, auch seine Protagonisten wurden urplötzlich zur Ikonen der Popkultur. Heute, knapp drei Jahrzehnte später, scheint die zielgruppengerechte Politur dieser Genre-Klassiker kein Ende zu nehmen. Das jüngste Remake eines seinerzeit stilbildenden Slashers nimmt sich den kanadischen Kultstreifen Blutiger Valentinstag aus dem Jahre 1981 zum Vorbild. Mit minimalen Budget und maximalem Blutzoll sicherte sich die Geschichte um den rachsüchtigen Bergarbeiter Harry Warden schon bald nach seiner Premiere eine treue Fangemeinschaft. Und obwohl der mit Spitzhacke und Atemschutzgerät ausgestattete Schlitzer immer etwas im Schatten seiner „Kollegen“ Jason, Freddy und Michael stand, war seine maskierte Erscheinung doch nicht minder furchteinflößend.

Ausgangspunkt der Handlung in Original wie Remake ist eine folgenschwere Explosion in einer Mine, bei der am Valentinstag mehrere Bergleute sterben. Allein jener Harry Warden überlebt schwer verletzt die Katastrophe. Es vergeht ein Jahr bis er aus dem Koma aufwacht, fest entschlossen, diejenigen, die seiner Meinung nach das Unglück zu verantworten haben, zur Rechenschaft zu ziehen. Am Ende seines blutigen Rachefeldzugs hat Harry 22 Menschenleben auf dem Gewissen. Nur Tom Hanniger (Jensen Ackles), der einmal die Mine von seinem Vater erben wird, kann der Hölle im letzten Moment entkommen. Als Tom jedoch nach zehn Jahren ausgerechnet am Valentinstag in seinen Heimatort Harmony zurückkehrt, beginnt das Morden von Neuem.

Regisseur Patrick Lussier hält sich nicht lange mit irgendwelchen Vorreden und Erklärungen auf. Stattdessen lässt er nach dem aus alten Zeitungsmeldungen hübsch montierten Vorspann einen sichtlich angepissten Harry Warden auf den Zuschauer los. Von Beginn an weist My Bloody Valentine dabei einen mehr als respektablen Blutzoll auf, der Genre-Fans wie Kenner des Originals gleichermaßen begeistern dürfte. Es wird gemordet bis die Spitzhacke glüht – und das ohne Rücksicht auf Verluste. Nachdem Harry sein Tagwerk schließlich vollbracht hat, schaltet der Film verständlicherweise erst einmal einen Gang zurück. Ansonsten wäre Harmony wohl auch innerhalb kürzester Zeit eine Geisterstadt und My Bloody Valentine nicht mehr als ein Kurzfilm.

Toms Rückkehr in seinen Heimatort gibt Lussier dann ausreichend Gelegenheit, die einzelnen Charaktere vorzustellen und gleichzeitig eine Reihe falscher Fährten zu legen, um so die wahre Identität des scheinbar von den Toten auferstandenen Killers für ein nettes Whodunit-Spielchen zu verschleiern. Speziell in diesem Punkt beschreitet die Neuauflage auch inhaltlich einen anderen Weg. Überhaupt war den beiden Autoren Todd Farmer und Zane Smith erkennbar daran gelegen, keine modernisierte Kopie abzuliefern. Ihr blutiger Valentinstag-Film weicht insbesondere bei der Wahl der einzelnen Tatorte deutlich von George Mihalkas Original ab. Während letztgenannter vor allem die düsteren Stollengänge und das Gelände rund um die Mine für ein ganz und gar unromantisches Schlachtfest nutzte, spielt sich bei Lussier doch vieles im Ort selber ab.

Diese Entscheidung ist nicht ganz unproblematisch. Zwar beugen die häufigen Tatortwechsel einer ansonsten womöglich einsetzenden Langeweile vor, andererseits geht durch die weitgehend austauschbaren Sets (Supermarkt, Motel) eine ganze Menge des charakteristischen Valentine-Flairs verloren. Da nützt es wenig, dass unser Psychopath stets korrekt gekleidet in Bergarbeiterkluft und Spitzhacke zur Tat schreitet. Immerhin können sich Fans – gewissermaßen als Wiedergutmachung –auf zahlreiche nette Anspielungen und Referenzen freuen. So darf trotz aller Änderungen der besonders grausame Tod in der Waschmaschine auch in der Neuauflage nicht fehlen.

Lussier, der sich bislang vor allem als Cutter vieler Wes Craven-Produktionen wie Scream und Red Eye auszeichnen konnte, kennt die Spielregeln des Genres nur zu genau. Er weiß, was das Publikum von ihm erwartet. Neben möglichst realistischen Gore-Effekten kommt kaum ein Slasher, der etwas auf sich hält, ohne „Full Frontal Nudity“ aus, wobei einzig die weiblichen Darsteller dem ungeschriebenen FKK-Appell Folge leisten müssen. In My Bloody Valentine erfüllt diesen Part vor allem die mit zwei äußerst überzeugenden Argumenten ausgestattete blonde Schönheit Betsy Rue. Die scheucht Lussier gar splitterfasernackt umher, was vor allem die männlichen Kinozuschauer zu würdigen wissen dürften.

Obwohl sich My Bloody Valentine somit insgesamt kaum von anderen handwerklich soliden Genre-Beiträgen unterscheidet, macht Lussiers Film doch ungleich mehr Spaß. Der Grund dafür ist simpel und heißt 3D. Wer sich erst einmal daran gewöhnt hat, eine dieser dämlichen, weil unbequemen 3D-Brillen zu tragen, wird mit hochauflösenden, plastischen Bildern belohnt, die ein ganz besonderes Filmerlebnis vermitteln. Die engen, dunklen Gänge der Mine wirken dadurch erst so richtig unheimlich. Abwechselnd scheint es, als würden Sets und Gegenstände wie Harrys Spitzhacke aus der Leinwand hervortreten oder tief in diese hineinragen. Damit knüpft My Bloody Valentine an die lange Tradition des 3D-Kinos an, das sich nach Kinderkacke wie Der Polarexpress und unzähligen IMAX-Dokumentationen nun endlich auch im Horrorfach eindrucksvoll zurückmeldet.

Für BlairWitch.de.

6 Comments:

Blogger Flo Lieb said...

Du hast dir den gleich 2x angesehen?

Mai 16, 2009 1:00 nachm.  
Anonymous Stefan said...

Sehr schön, genau das erwarte ich - Tits 'n' Guts in 3D! Was kann man(n) sich schöneres vorstellen? Heute abend ist es endlich so weit - wie siend denn die Brillen - hast Du da einen Link o.ä. zu? Sind das "richtige" oder Pappbrillen?

Mai 16, 2009 2:01 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

@ flo

nein, hab ihn in 3D gesehen und mir dann mal (hypothetisch) vorgestellt, was ich von ihm ohne die 3D-effekte halten würde!

@ stefan

nein, weiß auch nicht, ob die überall gleich sind. bei uns hier in köln gab's eher unbequeme plastikbrillen wie auch schon bei MONSTERS vs. ALIENS und CORALINE.

Mai 16, 2009 6:05 nachm.  
Blogger spidy said...

@Stefan: Eigentlich gibt es nur massive Plastikbrillen in 3-D Kinos, die Zeiten der Pappbrillen ist schon Jahrzehnte her :-)

@marcus: Mich kotzen mittlerweile die Remake-Welle im Horrorgenre enorm an, haben die keine eigenen/neuen Ideen mehr, dass mittlerweile jeder Horrorfilm "geremaket" wird. Brauch' ich echt alles nicht. Demnächst werde ich mir das Genre ganz schenken, wenn es so weiter gehen sollte.

Mai 17, 2009 11:43 vorm.  
Blogger Rajko Burchardt said...

Oh, getrennte Wertung... sinnvoll. Ich würde der 2D-Fassung 30% geben.^^

Mai 18, 2009 5:56 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

@ rajko

das hab ich mir schon gedacht. ich bin halt leichter zufrieden zu stellen ;)

Mai 19, 2009 5:57 nachm.  

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