Dienstag, August 11, 2009

Tödliches Kommando - The Hurt Locker


USA 2008

+++1/2

Eine Spezialeinheit der US Army ist in Kriegseinsätzen für die Entschärfung unterschiedlichster Sprengsätze und Bomben zuständig. Der adrenalintreibende Thriller Tödliches Kommando – The Hurt Locker, vom Verleih als "Drama/Antikriegsfilm" apostophiert, gewährt einen faszinierenden Einblick in einen der vielleicht härtesten Jobs überhaupt. Regisseurin Kathryn Bigelow inszenierte die Geschichte um eine Gruppe amerikanischer Elite-Soldaten als suspensereiche, nervenaufreibende Kriegsepisode. Die von ihr verfolgte eher nüchterne Dokumentarfilm-Optik setzt dabei weniger auf bildgewaltige Action denn auf Realismus und Glaubwürdigkeit.

Filmkritik:

Sie haben den vielleicht gefährlichsten Job der Welt. Die Männer der Explosive Ordinace Disposal (abgekürzt: E.O.D.) müssen hart und äußerst nervenstark sein. Als Teil der US-Streitkräfte werden sie immer dann zu einem Einsatz gerufen, wenn es wieder einmal verdächtige Gegenstände zu untersuchen oder Bomben zu entschärfen gibt. Ihre Einsatzgebiete lauten Irak oder Afghanistan. Es sind Orte, an denen man als US-Soldat alles andere als gern gesehen ist. In Tödliches Kommando – The Hurt Locker begleitet der Zuschauer ein Team aus E.O.D.-Spezialisten bei ihrer wahrhaft schweißtreibenden Arbeit während des letzten Irak-Krieges.

Die Geschichte und Figuren sind fiktiv. Und dennoch glaubt man den Machern jederzeit, dass sich alles genau so hätte zutragen können. So vermeiden Drehbuchautor Marc Boal (In the Valley of Elah) und Regisseurin Kathryn Bigelow viele der üblichen Action- und Kriegsfilmklischees. Wir begleiten ein Team, dessen Kommandant erst kürzlich bei einer verheerenden Bombenexplosion ums Leben gekommen ist. Sergeant Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Eldrige (Brian Geraghty) müssen sich an einen neuen Vorgesetzten gewöhnen, der fortan die überaus heiklen Einsätze leiten soll. Das mit dem Gewöhnen ist allerdings leichter gesagt als getan, schließlich ist Staff Sergeant William James (stark: Jeremy Renner) ein eher schwieriger Charakter, der mit seinem draufgängerischen Verhalten immer wieder für Irritationen und Spannungen innerhalb des Teams sorgt. Anfangs scheint es, als versuchte er, dem idealisierten (Männer-)Bild eines furcht- und emotionslosen Elite-Soldaten zu entsprechen.

The Hurt Locker zeigt auf eindrucksvolle Art, wie die Männer vor immer neue Herausforderungen gestellt werden und sich bei ihrer Arbeit jeden Tag in höchste Lebensgefahr begeben. Der von Bigelow gewählte dokumentarische Stil, der einen weitgehenden Verzicht auf statische Einstellungen und Hochglanz-Aufnahmen beinhaltet, lässt einen schon bald den fiktiven Charakter der Filmhandlung vergessen. Bigelow setzt auf Nähe und Beweglichkeit. Der kluge Einsatz der Handkamera ist hierfür unabdingbar. Die Distanz zum Geschehen reduziert sich bereits mit der meisterhaft montierten Eröffnungssequenz auf ein Minimum. Wir hören die Männer atmen und sehen, wie sich die Anspannung in ihren Blicken und Gesten nach jedem Auftrag allmählich löst. Vor allem gelingt es Bigelow, das Gefühl einer mehr oder weniger konkreten Bedrohung als ein beständiges, nicht wirklich greifbares Grundrauschen zu installieren. Dadurch wird das Misstrauen der Männer, das sie zunächst einmal gegenüber jedem Fremden empfinden, erst verständlich und nachvollziehbar. Hinter jedem Häuserblock, hinter jeder Straßenkreuzung könnte sie der Tod erwarten.

Staff Sergeant William James ist bei allem zur Schau gestelltem Wagemut weder Jason Bourne noch James Bond, so sehr er sich das auch wünschen würde. Im Grunde weiß er nur zu gut, in welchem Albtraum er sich eigentlich befindet. Die meisten Iraker sehen in ihm und seinen Kameraden feindliche Besatzer. Diese aus Sicht der USA nur wenig ermutigende Realität greift The Hurt Locker auf, wobei der Film die Aussage weiter fasst und seine durchaus militär-kritische Haltung nicht auf den Konflikt im Irak beschränkt wissen will. Für Bigelow ist es nach sechs Jahren der kreativen Pause – zumindest als Regisseurin einer Kinoproduktion – ein gelungenes Comeback im vertrauten Action-Fach. Sie liefert den Beweis, dass das Genre weit mehr als stumpfsinnige Materialschlachten und Explosions-Kaskaden hervorbringen kann.

Für Programmkino.de.

1 Comments:

Blogger C.H. said...

Vor allem gelingt es Bigelow, das Gefühl einer mehr oder weniger konkreten Bedrohung als ein beständiges, nicht wirklich greifbares Grundrauschen zu installieren. Dadurch wird das Misstrauen der Männer, das sie zunächst einmal gegenüber jedem Fremden empfinden, erst verständlich und nachvollziehbar. Hinter jedem Häuserblock, hinter jeder Straßenkreuzung könnte sie der Tod erwarten.

So sieht das nämlich aus. Absolute Zustimmung zu der Kritik von meiner Seite.

August 11, 2009 2:02 nachm.  

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