Dienstag, Februar 23, 2010

Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen


USA 2009

+++1/2

Das Vorhaben und die Namen der Beteiligten ließen aufhorchen: Autorenfilmer Werner Herzog übernahm die Neuinterpretation von Abel Ferraras düsterem Polizei-Drama Bad Lieutenant. In die Fußstapfen Harvey Keitels trat hierbei Oscar-Preisträger Nicolas Cage, der zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen bei seiner Rollenauswahl bewies. Nicht so in diesem Fall. Dem Gespann Herzog/Cage gelang ein in vielerlei Hinsicht anderer Thriller, der weniger auf Suspense denn auf dem Wahnwitz seiner Hauptfigur und einer guten Portion Zynismus basiert.

Filmkritik:

Siebzehn Jahre ist es inzwischen her, seitdem Harvey Keitel in Abel Ferraras Crime-Drama Bad Lieutenant als korrupter, drogenabhängiger New Yorker Cop menschliche Abgründe auslotete. Die Idee, diese Geschichte erneut zu erzählen – mit Hollywood-Star Nicolas Cage in der Hauptrolle und dem Autorenfilmer Werner Herzog auf dem Regiestuhl – mag zunächst recht abenteuerlich anmuten. Immerhin galt Ferraras Vorlage als der nahezu perfekte Film. Tatsächlich ist Herzogs Version dann auch mehr eine zynisch-bittere Ergänzung denn eine bloße Kopie.

Cage spielt Terence McDonagh, einen Ermittler des Morddezernats von New Orleans. Für seinen angeblich heldenhaften Einsatz während der „Katrina“-Katastrophe zum Lieutenant befördert, leidet er seitdem unter starken Rückenschmerzen. Seinen Dienst übersteht er nur noch dank diverser Schmerzmittel. Dass er bei jeder sich bietenden Gelegenheit Kokain konsumiert, kommt erschwerend hinzu. Terence ist ein Wrack, seelisch wie körperlich. Doch all das hält ihn nicht davon ab, die Leitung in einem brutalen Mordfall zu übernehmen. Irgendwer hat unter einer Familie afrikanischer Einwanderer ein regelrechtes Massaker in Auftrag gegeben. Schon bald legen die Indizien eine Verstrickung ins Drogenmilieu nahe, in dem ein gewisser „Big Fate“ (Rapper Xzibit) die Fäden in der Hand hält.

Die Handlung und damit der eigentliche Mordfall sind letztlich nur Staffage. Eigentlich beobachtet Herzog einen Mann bei seinem Versuch, sich nicht in den eigenen Abgründen zu verlieren. McDonagh kämpft gegen seine Drogensucht, gegen alte Wettschulden, gegen das eigene, viel zu große Ego und eine fast schon pathologische Selbstüberschätzung, die ihn immer wieder in Bedrängnis bringt. Auch die überaus komplizierte Beziehung zu seiner Freundin Frankie (Eva Mendes), einer Edel-Prostituierten, für die er sich verantwortlich fühlt, erweist sich als emotionaler Stolperstein. Cages Lieutenant taumelt mehr, als dass er Herr über das Geschehen wäre. Ihm dabei zuzusehen ist trotz des düsteren Themas ungemein unterhaltsam. Vor allem weil Herzog dem 45-jährigen Oscar-Preisträger viele Freiheiten zugesteht und der es ihm sodann mit einer Mischung aus grandiosem Overacting und gespielten Wahnwitz dankt. Cages oftmals deplaziert wirkende Grimassieren scheint auf einen Film wie diesen nur gewartet zu haben.

Immer wieder verlässt Herzog zudem den Pfad üblicher Genrekost. Sei es wenn er nach einer heftigen Schießerei den soeben tödlich Getroffenen einen letzten Tanz aufführen oder McDonagh mit zwei Leguanen gedankenabwesend ins Nichts starren lässt. Die Tier-Metaphorik durchzieht Bad Lieutenant wie Herzogs gesamtes Oeuvre, was nicht zuletzt auch dazu beiträgt, dass seine Neuinterpretation von Ferraras Meisterstück jederzeit unverwechselbar bleibt. Statt auf Suspense und Action vertraut Regie-Veteran Herzog einer für die Sehgewohnheiten des Mainstreams sicherlich nicht immer leicht zugänglichen Mischung aus Sarkasmus und grotesken Brüchen in Ton und Atmosphäre. Gerade die letzte Viertelstunde arbeitet auf ein bemerkenswert mutiges Ende hin, das sich über die oftmals moralinsauren Gesetzmäßigkeiten des Thrillers mit sichtlicher Freude hinwegsetzt.

Für Programmkino.de.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

nicolas cage hat mittlerweile wohl wieder ein händchen für gute filme.erst bad lieutenant,in dem er wohl an seine schauspielerischen höchstleistungen gelangt und jetzt "kick ass" (http://www.facebook.com/kickassfilm) in dem er wohl nicht die tragende rolle hat,aber trotzdem teil eines ziemlch krassen streifens ist....zudem sehr kultverdächtig ;)

April 18, 2010 7:43 nachm.  

Kommentar veröffentlichen

<< Home