Dienstag, März 02, 2010

Crazy Heart - Last Man Singing


USA 2009

+++1/2

Jeff Bridges war bereits viermal für den Oscar nominiert. Nun mehren sich die Hinweise, dass er bei seinem voraussichtlich fünften Anlauf endlich einen Goldjungen mit nach Hause nehmen kann. Sein Portrait des alternden Country-Stars Bad Blake zeigt einen Bridges wie er besser nicht sein könnte. Im Zusammenspiel mit den „bluesigen“ Country-Stücken aus der Feder von T-Bone Burnett und Songwriter Ryan Bingham entstand so eine ungemein fesselnde Meditation über verpasste und letzte Chancen.

Filmkritik:

Zu Beginn stiftet Crazy Heart einiges an Verwirrung. Wenn Jeff Bridges mit bärtiger Miene und in Schlabber-Klamotten eine Bowling-Halle betritt, meint man kurzzeitig, dem „Dude“ zuzusehen. Doch das hier ist nicht The Big Lebowski, das hier ist der wenig glamouröse Alltag von Bad Blake. Der inzwischen 57-jährige hat schon bessere Zeiten erlebt. Einst spielte er als gefeierter Star der Country-Szene in ausverkauften Häusern. Heute tourt er mit seinen alten Nummer-Eins-Hits im Gepäck durch stickige Kneipen und triste Bowling-Schuppen. Versiffte Absteigen und White-Trash-TV sind seinen einzigen Begleiter. Mehr noch als die Vergangenheit hat jedoch der Alkohol Bad im Griff und so kann es schon einmal passieren, dass er mitten im Auftritt volltrunken die Bühne verlässt.

Hinter der kaputten, gebrochenen Fassade schlägt aber noch immer das Herz eines Verrückten. Das zeigt sich, als Bad der Journalistin Jean Craddock (stark: Maggie Gyllenhaal) zum ersten Mal begegnet. Plötzlich ist alles anders. Aus einem Interview für eine Tageszeitung wird schnell mehr. Jean, die vom Alter her eigentlich Bads Tochter sein könnte, trifft das vom Leben zuletzt mehr und mehr enttäuschte Raubein an dessen empfindlichste Stelle. Sein Herz ist entflammt und er gewillt, diese vielleicht letzte Chance aufs Glück zu nutzen.

Crazy Heart ist ein Film, der sich immer wieder selbst zurücknimmt und darüber bis zu seiner wunderbaren, hoffnungsvollen Schlusseinstellung ungemein berührt. Scott Cooper wandelt darin auf dem schmalen Grat zwischen Zuversicht und Resignation, zwischen Mut und Bitterkeit, den Blick dabei immer fest auf Bad Blake gerichtet, diesem Ritter von der traurigen Gestalt. Bad ähnelt in gewisser Weise Mickey Rourkes Wrestler, der während der letztjährigen Oscar-Saison für Furore sorgte. Auch Coopers Protagonist lebt schon länger ausschließlich in der eigenen, glorreichen Vergangenheit, weil das Hier und Jetzt für ihn nur allzu oft als Abfolge deprimierender Tiefschläge daherkommt. Früher war er ein Star, heute ist er nur mehr dessen Schatten.

Obwohl die Geschichte von Crazy Heart fiktiv ist und eine direkte biographische Vorlage nicht existiert, erscheint uns Bads Schicksal äußerst vertraut. Coopers Film greift den American Dream an, wobei er allen Bads dieser Welt ein eindringliches Denkmal setzt. An die Stelle eines inszenierten Scheiterns in Zeitlupe und einer Hollywood-genormten Loser-Ballade treten Momente, deren emotionale Kraft aus einer schnörkellosen, grundehrlichen Erzählhaltung resultieren. Wenn es Bad wieder einmal beschissen geht, dann zeigt uns Cooper das ohne einen Anflug von Dramatik und ohne gleichsam etwas beschönigen zu wollen. Dass sich Crazy Heart bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit bewahrt, ist ein weiteres Indiz dafür, dass Cooper melodramatische Schnellschüsse zu umgehen weiß.

So wie The Wrestler Mickey Rourkes Film war, so erscheint dieser hier ohne Jeff Bridges undenkbar. Der demnächst höchstwahrscheinlich fünffach Oscar-nominierte Bridges erschuf eine Figur, für die man ihn noch lange in Erinnerung halten wird. Seine vollkommen uneitle, punktgenaue Darstellung geht weit über das hinaus, was gemeinhin unter dem Schauspielbegriff subsumiert wird. Hier lebt jemand ein anderes Leben, an dem wir als Zuschauer zumindest in Ausschnitten teilhaben dürfen. Bad, so wie Bridges ihn portraitiert, wird schon bald zu einem guten Freund, den zu verabschieden sichtlich schwer fällt.

Für Programmkino.de.

1 Comments:

Anonymous Dominik said...

Interesse! Den Film muss ich sehen. Ich liebe Jeff Bridges. Ein genialer Darsteller. Ich bin sehr gespannt! Danke für die informative Kritik! Gut geschrieben!

März 04, 2010 7:41 nachm.  

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