Donnerstag, April 08, 2010

Kampf der Titanen - Murks in drei Dimensionen


USA 2010

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Männer, Muskeln und Testosteron. Genau das verspricht die Neuverfilmung Kampf der Titanen, in der Hollywood die griechische Mythologie erst als Disney-Park-Attraktion zusammensetzt, um sie später gnadenlos zum Einsturz zu bringen. Mit dabei sind große Namen wie Liam Neeson und Ralph Fiennes, was zumindest anfangs die Hoffnung auf ein unterhaltsames Action-Abenteuer schürt. Die Hauptrolle ergatterte zur Abwechslung nicht Spielberg-Protegé Shia LaBeouf sondern der Engländer Sam Worthington, der zuletzt mit James Cameron nach Avatar aufbrechen durfte.

Die Story ist in ihren Grundzügen an den Original-Film von Stop-Motion-Legende Ray Harryhausen angelehnt. Am Anfang steht eine ernsthafte Verstimmung zwischen den Menschen und ihren Göttern. Seitdem Hades (Fiennes) hier auf Erden ordentlich aufräumt, kocht die Volksseele. Auch Perseus (Worthington) ist auf die Mächtigen im Olymp nicht gut zu sprechen, da er hilflos mitansehen musste, wie seine Familie Hades zum Opfer fiel. Dass er selber als Gott geboren und als Mensch aufgewachsen ist, hat seinem Selbstbewusstsein nicht geschadet. So glaubt er doch tatsächlich, es mit Hades und dessen Unterwelt-Schergen aufnehmen zu können. Eine Gruppe furchtloser, tapferer Männer begleitet ihn fortan auf seiner gefährlichen Mission.

Diese führt Perseus nicht nur in eine blutige Schlacht mit Riesenskorpionen, er begegnet auch dem Blick der todbringenden Medusa und Hades' Lieblingsmonster, dem mächtigen Kraken. Wie in einem Videospiel kämpft sich der muskelbepackte Gottessohn dabei Level um Level vor, was seiner Mannschaft bisweilen schmerzhafte Verluste beschert. Aber was tut man nicht alles für die Rettung der Welt. (ProSieben hat dafür ja eigens den „GreenSeven“-Day erfunden.) Wenn das Staunen über die immer einen Tick zu künstlichen Monster-Animationen jedoch erst einmal nachgelassen hat, fällt es sichtlich schwer, dem Geschehen noch die nötige Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. Trotz wechselnder Gegner schleicht sich schon bald eine tödliche Monotonie und Langeweile ein.

Regisseur Louis Leterrier inszenierte das göttliche Get-Together im Olymp als Glitter-Travestie-Show. Zeus' Gewand glitzert mehr als das von Gloria Gaynor und auch sonst weht ein Hauch von Hochglanz-Trash durch die freakige Versammlung in luftiger Höhe. Schon die extrem verzerrten Stimmen von Neeson und Fiennes bieten eine wunderbare Angriffsfläche für allerhand Spott und Häme. Das Diktat der unfreiwilligen Komik, welches von der Ernsthaftigkeit des mythologischen Hokuspokus zusätzlich angeheizt wird, rettet Kampf der Titanen allerdings nicht über die Ziellinie. Das von CGI-Schnickschnack zugekleisterte Schlachtgetümmel knockt sich vor seinem rührseligen Ende nämlich gleich mehrfach selber aus, weil es außer einiger leidlich interessanter Action-Tableaus so rein gar nichts zu erzählen hat.

Das wirklich Ärgerliche an dem Film ist jedoch der einfallslose Gebrauch der 3D-Technik. Dass diese erst in der Post-Produktion hinzugefügt wurde, weil man ganz offensichtlich der Versuchung erlag, über höhere Ticketpreise seine Einnahmen maximieren zu wollen, versetzt Leterriers Testosteron-Schinken den endgültigen Todesstoß. Der räumliche Effekt war selten überflüssiger, was angesichts der späten Entscheidung zur Umrüstung auf 3D nicht verwundert. Der Mangel an Kontrast und Schärfe erschwert insbesondere im Mittelteil, wenn Perseus der dunklen Unterwelt einen Besuch abstattet, die Übersicht über das Kampfgeschehen. Wenn so die Zukunft des Kinos aussähe, könnte man auf den ganzen 3D-Kram getrost verzichten.

Es dürfte spannend zu beobachten sein, ob das Publikum den billigen 3D-Trick durchschaut und dem Film seine Gefolgschaft verweigert. Sogar das bislang meist gültige technische Gütesiegel, das mit der Einzigartigkeit eines dreidimensionalen Kinoerlebnisses warb, wird durch Langweiler-Kandidaten wie Kampf der Titanen entwertet. In der Konsequenz sollten es nachfolgende Produktionen schwerer haben, sich allein über das 3D-Argument zu profilieren, zumal sich inzwischen auch eine gewisse Sättigung am Horizont abzeichnet. Das heimliche Vorhaben, 300 als den ultimativen Männer- und Sandalenfilm abzulösen, wurde hier in jeder nur erdenklichen Weise an die Wand gefahren. Da macht es letztlich auch keinen Unterschied, ob man den Unfall aus zwei oder drei Dimensionen mitansehen muss. Scheußlich bleibt er so oder so.

Für BlairWitch.de.

3 Comments:

OpenID christiansfoyer said...

Wäre tatsächlich schön, wenn nach so einer dreisten Abzocker-Aktion nicht mehr jedem 3D-Gehype hinterhergehechelt wird. Zumindest in meinem Stammkino sind die 3D-Vorstellungen zu den besten Vorführzeiten vom Titanen Clash bereits annähernd ausverkauft, ich werd auf jeden Fall drauf verzichten

April 09, 2010 8:16 nachm.  
Blogger spidy said...

Über diesen Film gibt es eigentlich nicht zu sagen, weil dieser so grottig ist.
Was mir besonders in deiner Kritik aufgefallen ist, dass du Sam als Engländer bezeichnet, klar er ist in England geboren, aber schon in frühster Kindheit nach Australien mit seiner Mutter ausgewandert, wird heute als Australier gehandelt, gehe davon aus, dass er auch ein australischen Pass hat. :-)

April 10, 2010 1:23 vorm.  
Anonymous Dominik said...

Dachte mir schon fast, dass das ein bisschen Müll ist, auch wenn ich diese griechische Mythologie nicht zuletzt wegen God of War genial finde...

April 18, 2010 11:36 vorm.  

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