Dienstag, Dezember 14, 2010

The Tourist - Tod in Venedig


USA 2010

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Florian Henckel von Donnersmarck (Das Leben der Anderen) hat den Sprung nach Hollywood geschafft. Er arbeitet nun mit Superstars wie Angelina Jolie und Johnny Depp zusammen und darf für seinen neuen Film mal eben über ein Budget von 100 Mio. Dollar verfügen. Das Resultat ist ein (zu) leichter, ziemlich altmodischer Katz-und-Maus-Thriller vor Fototapeten-Kulisse – in mehrfacher Hinsicht flüchtige Unterhaltung.

Filmkritik:

Wie jagt man ein Phantom? Diese Frage stellen sich auch die Behörden, die schon länger dem gerissenen Millionendieb Alexander Pearce auf den Fersen sind. Bislang konnte der Gesuchte, von dem Scotland Yard noch nicht einmal weiß, wie er denn genau aussieht, jedoch immer entkommen. Nach der Observation seiner Geliebten Elise (Angelina Jolie) in Paris mehren sich die Hinweise, dass sich Pearce in Italien aufhält. Elise steigt dann auch wenig später in den Zug Richtung Venedig, wo sie auf den amerikanischen Touristen Frank (Johnny Depp) trifft. Der ist zunächst sichtlich verwirrt, dass sich eine derart schöne Frau für ihn interessiert und seine Nähe sucht. Doch hinter den von Elise geschickt gesteuerten Flirtattacken steckt reines Kalkül. Ihre Verfolger sollen glauben, dass Frank der gesuchte Gangster ist.

Dass die Wahl von Deutschlands Oscar-Export Florian Henckel von Donnersmarck bei dessen Hollywood-Einstand ausgerechnet auf ein Remake des französischen Gaunerstücks Anthony Zimmer fiel, mag zunächst überraschen. Der Mann, der uns vor drei Jahren den Publikumserfolg Das Leben der Anderen bescherte, vollzieht mit dem nicht allein aufgrund seiner Schauplätze sehr europäisch anmutenden Thriller eine 180-Grad-Wendung. Statt mit bedrückenden Grau-in-Grau-Tönen und tristen Plattenbauten verwöhnt er unser Auge nunmehr mit mediterranen, geradezu makellosen Bildern wie man sie in einem Werbeprospekt vermuten würde. Hauptdarstellerin Angelina Jolie, von der sich die Kamera kaum einen Moment lösen kann, wird dabei endgültig zu einer mit Luxusdevotionalien ausgestatteten Leinwandikone.

Sie und nicht der ziemlich gelangweilt aufspielende Johnny Depp ist der Star dieser 100 Mio. Dollar-Produktion, die mit Action geizt und sich um eine konsistente Handlung nicht wirklich kümmert. Gerade die Auflösung offenbart rückblickend doch gravierende Logikschwächen, wobei die finale Pointe schon recht früh ersichtlich ist. Auch wenn mit Christopher McQuarrie der Autor der Üblichen Verdächtigen am Drehbuch mitschrieb, reicht es im vorliegenden Fall nicht zu einem überzeugenden Whodunit. Donnermarcks Regieeinfälle sind überdies bestenfalls zurückhaltend. Er begnügt sich damit, ein locker-verspieltes Urlaubsflair auf die Leinwand zu zaubern – Ocean’s Twelve lässt grüßen – und gleichzeitig Angelina Jolie gut aussehen zu lassen. Das ist unterhaltsamer, als es klingt, aber meilenweit von der Klasse seines Erstlings entfernt.

Es hilft dem durchaus altmodischen The Tourist ebenfalls nicht, dass er sich recht offensichtlich bei Klassikern wie Hitchcocks Über den Dächern von Nizza bedient. Eher erscheint Donnermarcks Hollywood-Debüt dadurch noch trivialer. Überall nur Oberfläche – wenngleich eine makellose – und wenig, was dahinter zum Vorschein käme. Bei Steven Soderbergh sprach man seinerzeit von einer Fingerübung, als dieser die Ocean’s-Reihe etablierte, Donnersmarck fehlt hierfür jedoch die nötige Vita als Filmemacher. Es war sicherlich zu erwarten, dass er die mit Das Leben der Anderen gesetzte Messlatte kaum überbieten wird können. Dass er sie am Ende ganz einfach umläuft, ist dann aber schon eine Überraschung.

Für Programmkino.de.

1 Comments:

Blogger Alice said...

Im SPIEGEL von letzter Woche gab es ein Interview mit ihm... die Entstehungsgeschichte des Films ist, im Gegensatz zum Film, nicht uninteressant. Allerdings bin ich etwas enttäuscht, dass er sich von großen Namen hat blenden lassen und sich bereit erklärt hat in Windeseile das Drehbuch zu üebrarbeiten und zu drehen. Leider kein großer Wurf...

Dezember 14, 2010 1:17 nachm.  

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