Mittwoch, Dezember 06, 2006

Apocalypto - Ein Vorgeschmack

"Insgesamt legt der Film ein Tempo vor, das mit Ausnahme der stimmigen Exposition in Jaguars beschaulichen und überblickbaren Heimatdorf kein Pardon kennt. Weder für die Protagonisten, noch für den Zuschauer. Die glücklicherweise sehr präzise und dennoch dynamische Kameraführung zieht uns tief hinein in diese fremde, archaisch anmutende Welt der Menschenopfer, mysteriösen Riten und Gebräuche. Ein bisschen ist das immer auch mit einer Geisterbahnfahrt im Vergnügungspark vergleichbar. Denn obwohl Gibson mit anerkannten Maya-Experten zusammenarbeitete, wird man das Gefühl nicht los, dass die Brutalität der Opferzeremonien und im Kampf Mann gegen Mann etwas zu kalkuliert für den kurzen Thrill ausgebeutet wird. Es trifft vermutlich zu, Apocalypto als ein Genre-Beitrag zu klassifizieren, als ein gnadenloses Horror-Jump’n’Run-Abenteuer, das seinen Helden – Analogien zu Die Passion Christi sind diesbezüglich nicht von der Hand zu weisen – unmenschliche Torturen auferlegt und uns die ein oder andere schlaflose Nacht bescheren dürfte."

Demnächst mehr zum Film an gleicher Stelle.

5 Comments:

Blogger Mr. Vincent Vega said...

Ich hab mir das Ding erspart. Deine ersten Worte sagen mir auch warum: Mel Gibson hat offenbar einen Drang zur Selbstmalträtierung, der Mann scheint besessenen von eigenen Dämonen, die er wohl für Sünden hält (Alkoholexzesse, Nuttenfickereien etc.), dass er die Welt mit unsäglichen Selbstreinigungen foltern muss. Wenn man sich mal alle Filme, in denen er mitgewirkt hat, vor Augen führt, dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Ich denke ehrlich, dass Gibson im Kopf ein gewaltiges Problem hat, an dem ich jedoch nicht besonders interessiert bin ;-)

Dezember 07, 2006 1:29 vorm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

lass doch gibson mal gibson sein. glaube, dieses problem haben die meisten kritiker mit dem film. für mich ist er als historienfilm auch nicht brauchbar, als abenteuer-horror-raserei aber dafür umso stärker.

Dezember 07, 2006 9:32 vorm.  
Anonymous Anonym said...

Nee, also diesen Film des alkoholkranken Judenhassers Gibson werde ich bleiben lassen und anstatt dessen in meiner Küche noch ein paar Kuchen für den hungernden Pöbel backen.

Vor allem: Der Mann kann ja nichts (fand bereits "Braveheart" überschätzt und lachte über die Oscar-Auszeichnungen, und "Passion of the Christ" war ein Desaster nie dagewesener Ausmaße).

Schöner Blog übrigens, Marcus/Ebertisthebest! Weiter so.

Dezember 07, 2006 11:15 vorm.  
Blogger Mr. Vincent Vega said...

lass doch gibson mal gibson sein. glaube, dieses problem haben die meisten kritiker mit dem film. für mich ist er als historienfilm auch nicht brauchbar, als abenteuer-horror-raserei aber dafür umso stärker.

Respekt, wenn dir diese Trennung gelingt. Mir ist die ideologische Färbung aber viel zu stark, um das so betrachten zu können.

Vor allem: Der Mann kann ja nichts (fand bereits "Braveheart" überschätzt

Absolute Zustimmung, mir sind die vielen Lobeshymnen auf dieses schlampig inszenierte "Historien"-Filmchen auch ein Rätsel.

Dezember 07, 2006 5:28 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

@ kuchenbäcker

will Dich zu gibson auch nicht missionieren, denke aber, dass der film es verdient hätte, wenn man ihn sich ansieht. und ich stehe nicht im verdacht ein gibson-freund zu sein. da musst Du Dir nur einmal meine kritik zu "die passion christi" bei kino.de durchlesen. auch hier gibt es wieder solche motive, allerdings ist der kontext ein anderer. zudem kann man den film auch als abenteuerhatz nehmen, was ich getan habe.

danke aber für das lob zum blog! ;-)

@ mr. vega

ich versuche fair zu bleiben und nicht in eine falle der heuchelei zu tappen. wie viele regisseure/schauspieler mögen verkappt anti-semitisch, rassisten oder sonstwas sein, hatten bis jetzt aber keinen solchen ausfall wie gibson und werden bejubelt. für mich funktioniert "apocalypto" als film einfach. das ist schon alles. wenngleich man natürlich auch mit gibsons weltbild im hinterkopf auch einiges rausziehen kann, um es wieder gegen ihn zu verwenden. für mich war die kritik aber an einem maßlosen raubbau an der natur und an der dekadenz mancher gesellschaften viel dominanter, als seine religiös verbrämte ideologie.

ansonsten gilt das gleiche, was ich auch schon zu chocolatier geschrieben habe: ich will gibson nicht verteidigen, finde aber die generelle ignoranz, die ihm entgegenschlägt, etwas merkwürdig. wenn man den film gesehen hat, kann man ihn auch ruhig scheiße finden (wogegen aus meiner sicht jedoch einiges spricht, die vollständige kritik stelle ich die tage online).

Dezember 07, 2006 5:46 nachm.  

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