Montag, März 10, 2008

Juno - Volltreffer


USA 2007

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Gute Laune garantiert: Juno, der neue Film von Thank You for Smoking-Regisseur Jason Reitman, nähert sich dem schwierigen Thema Teenager- Schwangerschaften mit den Mitteln der Komödie. Das in den USA zum Überraschungshit avancierte Coming of Age-Porträt setzt auf feine Ironie, liebenswerte Charaktere und smarte Dialoge. Für Hauptdarstellerin Ellen Page erweist sich Juno zudem als schauspielerischer Durchmarsch.

Filmkritik:

Wenn zwei Menschen miteinander schlafen, kann das Folgen haben, die erst neun Monate später das Licht der Welt erblicken. Waren es in Judd Apatows letztjähriger Sommer-Komödie Beim ersten Mal zwei Erwachsene, die enthemmt vom Alkohol ihrer Lust nach Sex nachgingen, dreht sich in Juno, dem neuen Film von Jason Reitman (Thank You for Smoking), alles um das Liebesleben eines Teenagers. Die 16jährige Juno (Ellen Page) will nicht glauben, was ihr der Schwangerschaftstest da anzeigt. Deshalb macht sie gleich drei. Doch alle kommen sie zu demselben Ergebnis: Sie ist schwanger.

Nachdem zunächst die beste Freundin (Olivia Thirlby) und Paulie (Michael Cera), der werdende Vater, die Neuigkeit erstaunt zur Kenntnis nehmen müssen, entschließt sie sich, auch ihrem Vater (J.K. Simmons) und ihrer Stiefmutter (Allison Janney) reinen Wein einzuschenken. Die reagieren auf die Beichte gelassener, als Juno es erwartet hatte „Ich wusste gar nicht, dass Du schon sexuell aktiv bist!“ kommentiert ihre Stiefmutter die Schwangerschaft. Juno will das Kind unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freizugeben. Eine Abtreibung kommt für sie nach dem Besuch einer Klinik nicht mehr in Frage. Im Kleinanzeigenteil der örtlichen Zeitung entdeckt sie das Foto eines jungen Paares. Vanessa (Jennifer Garner) und Mark (Jason Bateman) sind erfolgreich und führen – so scheint es – eine Vorzeige-Ehe. Nur Vanessa unerfüllter Kinderwunsch steht bislang dem perfekten Glück im Weg.

Juno bietet klassisches Feel Good-Kino. Reitmans Teenager-Komödie kommt dabei ohne die für dieses Genre üblichen Fäkalscherze und platten Schenkelklopfer aus. Stattdessen präsentiert sich sein Film als stimmiger Mix aus unbeschwerter Coming-of-Age-Story und liebevoller Außenseiter-Studie. Zuweilen fühlt man sich gar an Terry Zwigoffs Ghost World erinnert. Obgleich manche Dialoge allzu smart klingen – kaum zu glauben, aber mit Juno gibt die 29jährige Diablo Cody ihren Einstand als Drehbuchautorin –, verliert der Film nie seine realistische Erdung. Untermalt von melancholischem Songwriter-Pop begleitet man für anderthalb Stunden einen scheinbar ganz normalen Teenager durch die Höhen und Tiefen einer ungeplanten Schwangerschaft.

Es stimmt, dass Reitman und Cody Junos Sorgen nicht ausblenden und dennoch ist es weniger das Drama, als vielmehr der warme, mitunter absurde Humor, der hier im Vordergrund steht und für den man Juno am liebsten ganz fest drücken möchte. Getragen von einer fast beispiellosen Mundpropaganda und euphorischen Besprechungen gelang dem Film nach ersten Vorführungen auf Festivals wie Telluride und Toronto der Sprung auf einen Spitzenplatz der amerikanischen Kinocharts, den er seit Wochen hartnäckig verteidigt. Juno tritt damit gewissermaßen die Nachfolge des letztjährigen Überraschungs-Hits Little Miss Sunshine an.

Über Juno zu schreiben ohne dabei Ellen Page zu erwähnen, ist schlichtweg nicht vorstellbar. Page nimmt wie schon in Hard Candy mit einer für ihr Alter unglaublichen Lässigkeit jeden Millimeter der Leinwand in Beschlag. Bereits während der animierten Eingangssequenz lässt sie keinerlei Zweifel aufkommen, wessen Film das hier ist. Unterstützung erfährt sie von Newcomer Michael Cera (Superbad), J.K. Simmons und Ex-Alias-Star Jennifer Garner. Letztere darf als Übermutti in spe auch einmal ihr komisches Talent unter Beweis stellen.

Juno folgt über seine gesamte Laufzeit einem simplen aber dennoch wirkungsvollen Rezept: Man nehme einige liebenswerte Charaktere, konfrontiere sie mit einem (vermeintlichen) Problem und lasse sie daran wachsen.

Für Programmkino.de.

6 Comments:

Blogger TheRudi said...

Also ich hatte am Ende nicht das Gefühl, dass Juno gewachsen ist, sie hat sich lediglich ihres Problems entledigt - aber ich konnte (im Gegensatz zu KNOCKED UP) sowieso nichts mit diesem Film anfangen.

März 10, 2008 7:04 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

hab ich jetzt auch schon gemerkt, dass Dir JUNO nicht zusagte.

wenn Sie am ende mit ihrem freund auf den treppen vor ihrem elternhaus sitzt, dann ist das für mich eine andere juno. gereift, erwachsener und ernster.

März 11, 2008 4:13 nachm.  
Anonymous grammaton cleric said...

Schön, auch endlich mal was positives in der deutschen Bloglandschaft zu lesen. Freue mich schon drauf, weil ich weiß, dass er gut wird. ;-)

März 11, 2008 5:41 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

wundere mich ehrlich gesagt auch, wie reserviert man dem film hierzulande begegnet. natürlich ist JUNO kein existenzialistisches drama, dafür ein coming-of-age-trip mit einer starken hauptfigur und einem so zumindest im komödienfach nicht alltäglichen sujet.

Dir viel spaß beim film!

März 11, 2008 7:19 nachm.  
Blogger Mr. Vincent Vega said...

Der Film wird doch ähnlich wie LARS eher wohlwollend besprochen, habe ich so das Gefühl.

Ich fand JUNO erträglich, was an Reitman lag, nicht am grausigen Drehbuch. Die moralische Diskussion kann ich dabei dennoch nicht nachvollziehen, ist doch alles halb so wild?!

März 11, 2008 8:34 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

genau alles halb so wild, rajko.

zur qualität des drehbuchs scheint es eine reihe sehr unterschiedlicher ansichten zu geben ;)

März 12, 2008 12:02 nachm.  

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