Dienstag, Januar 04, 2011

Der Auftragslover - Französische Variation


F 2010

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Aus Frankreich kommt diese schwer unterhaltsame, frische und temporeiche Liebeskomödie, die trotz vorhersehbarem Ausgang und weitgehend bekannter Rollenverteilung das steife Schema vergleichbarer Produktionen durchbricht. Vor der mondänen Kulisse des Fürstentums Monaco erzählt Der Auftragslover von einem professionellen Herzensbrecher und seiner nicht ganz einfachen Mission. Inmitten mediterraner Lebenslust und heißer „Dirty Dancing“-Einlagen entdecken Romain Duris und Vanessa Paradis die Vorzüge einer zunächst erzwungenen Zweisamkeit.

Filmkritik:

einst Heinz Rühmann. Für Alex (Romain Duris) ist es in gewisser Hinsicht der Leitfaden seines beruflichen Alltags. Denn der schöne Alex arbeitet als professioneller Herzensbrecher oder – wie es der verunglückte deutsche Filmtitel ausdrückt – als „Auftragslover“, der gegen ein entsprechendes Salär Frauen die Augen öffnen und den Mann an ihrer Seite als den größten Fehler ihres Lebens enttarnen soll. Seine Masche scheint nicht unbedingt originell, doch sie funktioniert – meistens. Zusammen mit seiner Schwester Mélanie (Julie Ferrier) und deren Mann Marc (François Damiens) nimmt er nicht ganz freiwillig einen durchaus kniffligen Auftrag an.

Alex soll die Millionärstochter Juliette (Vanessa Paradis) wenige Tage vor deren Hochzeit verführen und so die vielleicht verborgenen Zweifel an der Heirat ihres attraktiven aber doch ziemlich langweiligen Verlobten schüren. Niemand anderes als Juliettes Vater (Jacques Frantz) hat Alex für dieses heikle Unterfangen engagiert. Er will nicht, dass seine Tochter einen Mann heiratet, den sie tief in ihrem Herzen eigentlich nicht liebt. Um diese Vorgabe zu erreichen, müssen Alex und seine Helfer sämtliche Register ziehen. Zu spät wird unserem Auftrags-Romeo dabei bewusst, dass er sich schon längst in sein Zielobjekt verknallt hat.

Es gibt sie noch. Romantische Komödien, die witzig, charmant und bisweilen sogar originell auf ihr vorhersehbares Ziel zusteuern. Die mit viel Tempo erzählte Geschichte des professionellen Herzensbrecher Alex sollte dank ihrer jederzeit witzigen Einfälle selbst notorische RomCom-Muffel begeistern können. Allein der Aufbau und die Durchführung der einzelnen Verführungsattacken lässt einen unentwegt schmunzeln. Dazu bietet der Film – vermutlich sehr zur Freude der meisten Zuschauerinnen – eine Schmachtüberdosis, wenn Alex und Juliette plötzlich in die Fußstapfen von Patrick Swayze und Jennifer Grey treten und ganze Szenen aus Dirty Dancing nachtanzen. Regisseur Pascal Chaumeil, der beim großen Luc Besson in die Lehre ging, versteht es, die Ideen des Autorentrios Laurent Zeitoun, Jeremy Doner und Yoann Gromb bestmöglich zu verkaufen, so dass man nie das Gefühl hat, hier würden nur die üblichen Zutaten eines ansonsten ziemlich innovationsfeindlichen Genres zusammengerührt.

Hinzu kommt, dass sich der Film einfach wunderbar ansehen lässt. Diese Beobachtung betrifft nicht nur die beiden Hauptdarsteller, die füreinander eine glaubhafte Anziehung entwickeln, sondern auch die Bilder von Kameramann Thierry Arbogast. Das mondäne Flair der Côte d’Azur und ihres Millionärs-Hot-Spots Monte Carlo bildet die perfekte Kulisse für Alex’ virulentes Gefühlschaos, das sich zunehmend schwerer kontrollieren lässt. Dabei weicht Der Auftragslover gleichwohl nur unwesentlich von den Vorgaben anderer romantischer Komödien ab. Auch Chaumeil vertraut der bewährten Balance aus Kitsch und Komik, wobei letzteres hier mit viel Esprit und französischer Leichtigkeit präsentiert wird. Ein Remake aus Hollywood, was angesichts der gefälligen Grundidee recht wahrscheinlich erscheint, dürfte es schwer haben, das Original mit seinem mediterranen Flair zu übertreffen. Überdies sind Romain Duris und Vanessa Paradis ein mehr als hinreißendes Paar, dem man wünschen würde, das es nicht von den üblichen Verdächtigen (Katherine Heigl, Jennifer Aniston, Ashton Kutcher) kopiert wird.

Für Programmkino.de.

1 Comments:

Blogger Alice said...

Ich fand die Vorschau schon nicht schlecht, deine Kritik hat mich nun vollends überzeugt :)

Januar 05, 2011 10:39 vorm.  

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