Freitag, Februar 25, 2011

Drive Angry - Motorschaden


USA 2011

+1/2

Die Zeiten, in denen Nicolas Cage in den großen Hollywood-Blockbustern zu sehen war und allein sein Name die Zuschauer ins Kino lockte, sind schon etwas länger vorbei. Zuletzt war Cage vor allem für weniger aufwändige Genre-Produktionen mit im besten Fall akzeptablem B-Movie-Charme gebucht. Knowing, Ghost Rider oder Next lauten einige der jüngeren Einträge in seiner Vita. Mit Ausnahme von Werner Herzogs grandioser Thriller-Groteske Bad Lieutenant und dem verspielt-frechen Superhelden-Mashup Kick-Ass bewies der Mann mit dem ungelösten Frisurenproblem in den letzten Jahren kein wirklich glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Rollen. Bisweilen konnte gar der Eindruck entstehen, dass er so ziemlich jedes Angebot ungeprüft annimmt.

Ob er im Fall von Drive Angry vor seiner Zusage tatsächlich das Drehbuch gelesen hat, ist nicht bekannt. Eigentlich spielt das auch keine Rolle, denn das nun vorliegende Resultat kann sich ohnehin auf keinerlei inhaltliche Qualitäten berufen. Was hier unter der Regie des Amerikaners Patrick Lussier (My Bloody Valentine) entstanden ist, will allein über die Zurschaustellung von bewusst coolen Bildern, noch cooleren Sprüchen und schicken 3D-Spielereien unterhalten. Aber selbst gemessen an diesem nicht gerade übermäßig hohen Anspruch bleibt der Film eine Enttäuschung und eine recht langweilige Veranstaltung noch dazu. Darüber kann Lussier auch mit reichlich nackter Haut und einer überaus attraktiven Hauptdarstellerin nicht hinwegtäuschen. Am Ende laufen all seine optischen Bestechungsversuche ins Leere.

Angelegt ist Drive Angry als Hybrid aus Rache- und Fantasy-Geschichte. Cage spielt darin einen Vater, dessen Tochter von einem fanatischen Sekten-Heini (Billy Burke) ermordet wurde und der daraufhin aus der Hölle zurückkehrt, um dem selbstverliebten Möchtgern-Jesus endlich das Handwerk zu legen. Zudem will er sich seine erst wenige Wochen alte Enkelin zurückholen und sie der Gewalt des wahnsinnigen Egomanen entreißen. Unterstützung erfährt Cages Back-from-Hell-Papa dabei von der patenten Piper (Amber Heard), einer klassischen Südstaaten-Schönheit mit mehr als nur zwei schlagkräftigen Argumenten. Zusammen nehmen sie schließlich die Verfolgung auf, wobei auch ihnen ein sehr spezieller Reisender dicht auf den Fersen ist. Er (William Fichtner) nennt sich selbst nur der „Buchhalter“, trägt einen schwarzen Anzug und scheint geradezu übermenschliche Fähigkeiten zu besitzen.

Im Grunde besteht Drive Angry nur aus einer Aneinanderreihung pubertärer Kalauer, von denen nur wenige wirklich zünden. Manches ist einfach nur albern, wie die in Zeitlupe gefilmte Schießerei, während der Cages Figur nebenbei ein blondes Dummchen vögeln darf, anderes erscheint aus vergleichbaren B-Movies in Guttenberg-Manier zusammengeklaut. Der Einwand, dass auch ein hochgelobter Filmemacher wie Quentin Tarantino im Grunde nur kopiert, kann Lussier jedoch kaum zu seiner Verteidigung anführen. Dafür sind seine Copy-and-Paste-Bilder viel zu langweilig und beliebig. So ist beispielsweise die Idee, Satans Handlanger als coolen Schlipsträger vorzustellen, spätestens nach einem Film wie Im Auftrag des Teufels nicht mehr als ein quälender, weil überlanger Gag. Da hilft es nur wenig, dass William Fichtner seine Rolle von Beginn an wunderbar neben der Spur interpretiert.

Dabei fängt Drive Angry durchaus verheißungsvoll an. Wie Cages Chad-Kroeger-Doppelgänger mit drei bösen Jungs kurzen Prozess macht und gleichzeitig Lussier aus Filmzitat, plastischem 3D-Effekt und dynamischer Montage einen launigen Einstand bastelt, lässt für den weiteren Verlauf hoffen. Auch Amber Heards erster Auftritt – in einem typischen Diner samt ekligem Chef und einer Menge White-Trash-Feeling – wirft uns gleich tief in die Klischeekiste des Bible Belts hinein. Auf dieses frühe Versprechen, dass zunächst einen unterhaltsamen Ritt durch das B-Movie-Universum ankündigt, folgt jedoch keine Einlösung. Nicht nur löst sich der dünne Plot ziemlich rasch in eine monotone Abfolge aus recht ähnlichen Action- und Verfolgungssequenzen auf, Lussier fehlt überdies der Mut, den selbstironischen Anstrich wirklich auf die Spitze zu treiben oder mit unerwarteten Einfällen zumindest ab und an zu überraschen. Und so schleppt sich Drive Angry mit unübersehbaren Konditionsschwächen auf seine Zielgerade, die mit dem lang herbeigesehnten Duell zwischen Gut und Böse und einer weiteren Überdosis Hardrock einen insgesamt mut- und fantasielosen Film beschließt.

Für BlairWitch.de.