Dienstag, April 11, 2006

FC Venus - Das Delling-Universum


D 2005

++1/2

“Elf Paare müsst ihr sein!” Der Untertitel zu einer deutschen Komödie um das Thema Fußball lässt Schlimmes erahnen. Hat sich Doris Dörrie mitsamt ihren ewig gleichen Beziehungsdramödien nun auch auf das für Männer Heiligste vom Heiligen gestürzt? Glücklicherweise führt Dörrie bei diesem munteren Kick nicht Regie, dafür engagierte man mit Ute Wiland aber eine Frau. Ist dieser anfängliche Schock erst einmal verdaut, kann der Film beginnen. Darin verschlägt es den Fußball-Enthusiasten und fanatischen Hobbykicker Paul (Christian Ulmen) angeblich aus beruflichen Gründen zurück in seine alte Heimat. Weg aus der Großtstadt Berlin, willkommen auf dem platten Land. Seine Freundin Anne (Nora Tschirner) ist eine erfolgreiche Architektin und über den Umzug alles andere als glücklich. Wenn sie nur ahnen würde, dass ihr Freund eigentlich nur nach der schweren Verletzung eines einstigen Fußball-Kameraden dessen Position in der dort eigenen Fußballmannschaft übernehmen soll, würde es für Paul ziemlich ungemütlich werden.

In Zeiten von Vogelgrippe, Angela Merkel und der Fußball-WM im eigenen Land war es nur eine Frage der Zeit bis das Kino geschickt den Ball aufnehmen und ein entsprechendes Filmchen ins Rennen schicken würde. „FC Venus“ gehört dabei zu den seltenen Fällen, in der das Remake eines bereits im Ausland erfolgreichen Stoffes vor dem Original bei uns startet. Denn der Film basiert mehr oder weniger auf der finnischen Komödie gleichen Titels. Während der Finne im Allgemeinen eher wortkarg und latent depressiv daherkommt, ist der Germane für seine Philosophierfreudigkeit bekannt, besonders dann, wenn es um das Runde geht, was ins Eckige musst. Eigentlich tauscht das Drehbuch von Jan Berger nur das Spielfeld aus, die Grundbestandteile seiner Story (bzw. der von Outi Keskevaari) waren bereits in den 90er Jahren unter dem Oberbegriff „Neue deutsche Komödie“ ein Publikumserfolg. Zwischen den Geschlechtern wird viel gewitzelt, gestänkert, Zoten gerissen und sich abwechselnd geliebt respektive gehasst.

Nach den zahlreichen missratenen Angriffen auf unsere Lachmuskeln in den letzten Wochen und Monaten („Mord im Pfarrhaus“ und „Big Mama’s House 2“ als zwei der eher gruseligen Beispiele) lässt sich bei diesem heimischen Kegelausflug in die geheime Hochkultur unserer Nation zumindest vom Start weg ein deutlich messbarer Spaßpegel konstatieren. Zwar schlägt der Seismograph nicht durchweg auf der höchsten Stufe aus, das wäre aber auch angesichts des verbrauchten Sujets der Spocht-/Beziehungskomödie nicht zu erwarten gewesen. Dass viele der recht simpel gestrickten Pointen zünden, liegt an der Spielfreudigkeit und Selbstironie des gesamten Ensembles. Neben Ex-U96-Mitglied Heinz Hoenig, der wieder einmal als alter cooler Sack auflaufen darf, müssen Ulmen und Tschirner als größtes Plus von „FC Venus“ gelten. Die Wiedervereinigung der einstigen MTV-Chaoten (lief da wirklich nie was zwischen den beiden?) war nur eine Frage der Zeit, nachdem beide doch recht erfolgreich als Schauspieler tätig sind. Die Chemie zwischen beiden stimmt, das spürt man als Zuschauer. Das erklärt, warum dieser deutsche Versuch einer romantischen Komödie auf ungewohntem Terrain gegenüber synthetischer Fließbandware wie „Zum Ausziehen verführt“ ganz klar vorzuziehen ist.

Überhaupt Nora! Die junge Dame aus Berlin-Pankow lässt mein Herz höher schlagen, ja ich gebe es offen zu. Wenn sie mit strengem strafendem Blick ins Kamerobjektiv schaut, so entschlossen zur Tat schreitet und dabei keine Gefangenen macht, möchte ich am liebsten das runde Leder sein. Einmal von Nora getreten werden, oh wie wär das schön. Ok, genug der masochistisch aufgeladenen Kritikerphantasien, es reicht auch einfach mitanzusehen, wie Nora sich in den Schlamm wirft. Schauspielerisches Talent hat sie unbestritten.

Wer etwas an „FC Venus“ aussetzen will, der findet dafür genug Angriffspunkte. Nicht nur, dass Ute Wielands Film ungeniert mit seiner vorhersehbaren uninspirierten Dramaturgie bei bekannten US-Sportfilmen klaut, das Aufbauen einer vermeintlichen Gurkentruppe zu einem schlagkräftigen Team ist spätestens seit Burt Reynolds in „The Longest Yard“ (1974) ein echter Klassiker, es werden auch keine platten Rollenklischees ausgelassen. Wenn dann doch einmal für kurze Zeit dieser Typisierungs-Strafraum verlassen wird, beispielsweise als Anne verbissen Konsolenspiele zockt und die Spielerfrauen zu Hardcore-Fussi-Fans mutieren, bricht das kurzzeitig gegen den Strich gebürstete garantiert in der nächsten Szene wieder zusammen. Ganz eindeutig versagt „FC Venus“ bei seinen geradezu lächerlichen Ansätzen eine Spur von Ernsthaftigkeit und Melodramatik in die Parade aus Fotzeleien und Yogi Löw-tauglichem Humor einbauen zu wollen. Eher geschmacklos als alles andere gestalten sich die Sprüche rund um Pauls im Koma liegenden Fußball-Kameraden. Da treten sogar kurzzeitig Irritationen auf, ob das denn alles tatsächlich ernst gemeint sein kann. Es kann.

Nun aber genug der Nörgelei, denn in diesem Jahr brauchen wir den Klinsmann’schen Optimismus, um die WM einigermaßen unbeschadet überstehen zu können. Für Ute Wieland und ihren „FC Venus“ hätte sich jedoch auch der gänzlich fußballdesinteressierte Kinozuschauer gewünscht, dass, so viel wie hier mit Ballweisheiten um sich geworfen wird, auch Sepp Herbergers Spruch „Das Spiel dauert 90 Minuten!“ beherzigt wird. So geht dieser weitgehend sinnfreien Bildstaffette in der zweiten Halbzeit leider merklich die Puste aus. Eine vorzeitige Auswechslung hat es nicht gegeben.

3 Comments:

Blogger Knurrunkulus said...

Hat dich der Film jetzt in einer Sneak ereilt oder war es eine Pressevorführung, in der du eventuell sogar die Nora in echt sehen konntest, so ganz nah vor dir. In letzterem Fall würde ich in Neid zerfliessen. Und ganz nebenbei: Ich kann jeden einzelnen Aspekt deiner umrissenen Fantasien mit extradicker Linie unterstreichen. Dieses Mädel ist einfach die Wucht. Aber genug der Schwärmerei.

Mal schauen, ob ich mir den Film angucke.

April 11, 2006 3:12 nachm.  
Blogger Marcus kleine Filmseite said...

nein, es war eine ganz normale sneak, leider. brauchst also nicht neidisch sein.

April 12, 2006 11:52 vorm.  
Blogger Knurrunkulus said...

Na, da bin ich erleichtert. *g*

April 12, 2006 12:29 nachm.  

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