Mittwoch, März 14, 2007

Am Limit - Wider aller Vernunft


D/Ö 2007

+++1/2

Am Limit lautet nicht nur der Titel der neuen Dokumentation von Pepe Danquart, es könnte zugleich auch in nur zwei Worten das Leben der beiden portraitierten Huber-Brüder zusammenfassen, die zu den weltweit besten Extremkletterern zählen. Ihr größtes Steckenpferd ist das Speed-Klettern, das Überwinden der steilsten Felsmassive in möglichst kurzer Zeit. Danquart begleitete Thomas und Alexander Huber auf ihren Touren ins Yosemite Valley und nach Patagonien, wo sie sich neuen wagemutigen Herausforderungen stellten. Herausgekommen ist dabei eine faszinierende filmische Abhandlung über das menschliche Streben nach Glück und die Überwindung unserer eigenen Ängste.

Filmkritik:

„Was wir da tun, widerspricht aller Vernunft.“ Das sagen diejenigen, die kurz zuvor noch eine gigantische, übermächtige 1.000 Meter hohe Granitwand des „El Capitan“ im Yosemite Nationalpark in einer neuen Rekordzeit zu bezwingen versuchten. Thomas und Alexander Huber sind so etwas wie die Superstars der Kletter-Szene. Die smarten und zielstrebigen Brüder sind ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Aktionen, die niemand vor ihnen bislang wagte. Egal ob Free Climbing, das Klettern auf Zeit oder alpine Bergbesteigungen, der Sport bestimmt ihr Leben. Dahinter hat sich alles unterzuordnen, auch ihre Familien.

Als Dokumentarfilmer Pepe Danquart nach einem Abschluss für seine Sport-Trilogie suchte, die er mit Heimspiel (2000) begann und mit der Tour de France-Doku Höllentour (2004) fortsetze, lernte er die Huber-Brüder kennen. Sofort war ihm klar, dass er einen Film über diesen faszinierenden und gefährlichen Sport drehen wollte. Er begleitete Thomas und Alexander in den letzten beiden Jahren auf mehreren Touren, u.a. nach Kalifornien, wo das Abenteuer rund um den „El Capitan“ auf die zwei scheinbar unerschrockenen Extrem-Kletterer wartete. Nachdem sie im Sommer 2005 die Vorbereitungen für ihren Rekordversuch abgeschlossen hatten, kehrten sie im Februar 2006 an die gleiche Stelle zurück.

Der Zuschauer erlebt in Am Limit hautnah mit, was heißt, wenn zwei Menschen bewusst Grenzen überschreiten, Dinge tun, die sie mitunter dem Tod näher als dem Leben bringen, um einen Traum zu verwirklichen, den sie sich in den Kopf gesetzt haben und von dem sie nunmehr nicht mehr loskommen. Das ist spannender als ein Thriller, gewaltiger als ein Epos und ergreifender als die meisten Dramen, da sich der Film nicht auf den sportlichen Aspekt der Geschichte beschränkt. In Interviews, die Danquart zwischen die verschiedenen Kletter-Partien schneidet, geben sie dem Zuschauer einen tiefen Einblick in das, was sie beschäftigt. Das Bergsteigen und Klettern – so erklären sie an einer Stelle – wurde auch zu einem Kampf mit ihren eigenen Ängsten. Das Gefühl, wenn man diese überwindet, mögen manche mit dem „ultimativen Kick“ umschreiben. Für Thomas und Alexander ist es das, was ihrem Leben einen transzendentalen Sinn verleiht.

In atemberaubenden Einstellungen verfolgt die Kamera die „Huberbuam“ bei ihren adrenalintreibenden Kletter-Aktionen. Vier Kameraleute mussten dazu bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit gehen. Eine Kraftanstrengung, die sich wahrlich gelohnt hat. Auf der Kinoleinwand lassen die Panorama-Aufnahmen die ganze Faszination dieses Sports wiederaufleben. Und obwohl der Rekordversuch letztlich misslingt, ist Am Limit alles andere als eine Dokumentation des Scheiterns. Dafür hat Danquart zuvor unmissverständlich klar gemacht, dass bei seinem Film nur vordergründig das Klettern die Bühne beherrscht. Sein Blick geht in Wahrheit viel tiefer.

Für Programmkino.de.

1 Comments:

Blogger Jochen said...

Schöne Besprechung, Marcus! Hört sich nach einem wahren Kinoerlebnis an. Habe vor einigen Tagen einen Bericht über den Film bei "kulturzeit" gesehen, demnach waren die Dreharbeiten mindestens ebenso spektakulär wie der Rekordversuch der Huber-Brüder...

März 15, 2007 6:13 nachm.  

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